Anjas Tagebuch – Chipman
3. Tagebuch
Anjas Tagebuch – Chipman, E-Book, 14+
EPub 978-3-9820009-3-0
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Cover
Beim Cover des dritten Bands komme ich dem Scherenschnitt wieder ein Stück näher. Ich habe auf eine detaillierte Gestaltung der Umgebung verzichtet und mich auf das Wesentliche konzentriert. Im Fokus steht erneut Anja, die auf dem Fensterbrett in ihrem Zimmer sitzt und aus dem Fenster blickt. Man fragt sich, ob sie zu dem Vogel hinaufschaut oder an ihren Freund Chipman denkt. Im Hintergrund ist als Hinweis zum Handlungsort die fiktive Skyline von Berlin zu sehen. Die Pflanze fällt im Vergleich zu den anderen Covern und Back Covern dieses Mal recht klein aus. Da sie jedoch ein Symbol für Anjas Isolation ist, hat es die Protagonistin offenbar geschafft, sich ihrer Familie und Freunden gegenüber zu öffnen.
Einführung
Mit „Anjas Tagebuch – Chipman” erscheint der dritte und vorerst letzte Band der Reihe (22.10.2018 bis 19.10.2019). Noch einmal nimmt Anja ihr Tagebuch zur Hand und schreibt offen über das, was sie bewegt: über Familie, Ferien am See und eine erste Liebe, die ihr Leben eine Zeit lang auf den Kopf gestellt hat. Zwischen nachdenklichen Momenten, leisen Beobachtungen und ehrlichen Rückblicken versucht sie zu verstehen, was es eigentlich bedeutet, erwachsen zu werden. Der dritte Band führt die Geschichte zu einem persönlichen Abschluss und lässt Anja noch einmal auf die Ereignisse ihrer Tagebücher zurückblicken. Damit ist die Reihe zunächst beendet – doch vielleicht wird Anja eines Tages ihr Tagebuch wiederfinden und erneut zu schreiben beginnen. Wer weiß, welche Geschichten dann noch erzählt werden wollen.
Diese Geschichte ist besonders geeignet für Leserinnen und Leser, die:
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Tagebuchromane mögen, in denen eine Figur offen und ehrlich ihre Gedanken erzählt
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Geschichten über die erste Liebe und die Gefühle des Erwachsenwerdens lesen möchten
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Coming-of-Age-Romane über Jugendliche auf der Suche nach sich selbst mögen
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sich für Familiengeschichten und Beziehungen zwischen Eltern und Kindern interessieren
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ruhige, nachdenkliche Geschichten mit persönlichen Beobachtungen schätzen
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Bücher mögen, in denen Gefühle, Zweifel und kleine Alltagsmomente im Mittelpunkt stehen
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gern Jugendromane mit authentischer Stimme lesen
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sich für Freundschaft, erste Beziehungen und Teenager-Gedankenwelten interessieren
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Geschichten mögen, die am See, in kleinen Orten und in der Natur spielen
Leseprobe
Leseprobe aus Montag, 25.10.2018
Mein liebes Tagebuch,
heute stand das Eltern-Kind-Gespräch auf der Tagesordnung und ich wurde einmal mehr belehrt, nicht klüger als meine Eltern zu sein. Mein frecher Umgangston würde mich noch in Schwierigkeiten bringen. Als ich sie beide fragte, welchen frechen Umgangston sie meinen, meinte Mami (und das kam wie aus der Pistole geschossen), den Ton, den ich habe, seitdem ich mit Chipman zusammen bin. Aha.
Das war interessant. Dass Papi Chipman nicht leiden kann, ist klar. Er hält deswegen auch kein Blatt vor den Mund. Aber bei Mami dachte ich immer, sie würde ihn mögen. Das war wohl alles nur Show. Die netten Gesten, die freundlichen Kommentare beim Familienessen … „Warum laden sie ihn denn immer zum Essen ein?“, wollte ich wissen. Da konterte Papi, dass sie das niemals getan hätten und ich ihnen Chipman quasi aufgezwungen hätte, indem ich in seinem Beisein nach der Essenszeit gefragt und gemeint hätte, Chipman und ich würden dann pünktlich da sein. Dann legte Mami sogar noch einen drauf und sagte, ich würde Chipmans vorlaute Art kopieren. Ich erwiderte, Chipman sei überhaupt nicht vorlaut, sondern seine Sprüche und sein schnelles Reagieren auf Kommentare anderer zeigten nur, wie selbstbewusst und schlau er sei. Als ich das sagte, stand Mami auf und meinte, wenn ich weiterhin an den Lippen eines Jungen kleben würde, würde ich ganz sicher irgendwann eine gute Hausfrau abgeben. Dann ließ sie mich mit Papi allein. Was war das denn bitte für ein Scheiß? Entschuldige die Kraftausdrücke, aber Mami übertreibt maßlos. Ich bin mit einem Jungen zusammen, ja, aber ich weiß immer noch, wer ich bin. Papi wollte nicht weiter mit mir über Chipman reden. Das sei ohnehin eher ein Mutter-Tochter-Gespräch. Ach, echt?
Papi wollte lieber mit mir über Finanzen reden. Ach? Das kann kein Mutter-Tochter-Gespräch sein! Sind Männer eher für Geldsachen zuständig? Wer gibt hier die gute Hausfrau ab?
Jedenfalls ging es dann um gestern und die Baluster. Ich hatte meinen Eltern vorgeworfen, sie würden nicht in Neverland investieren wollen. Da war Papi ganz direkt und sagte, sie würden schon mehr investieren wollen, aber es ginge nicht. Die Wohnung in Berlin ist neu, hat einen gehobenen Standard und eine große Terrasse, die kaum eine andere Wohnung hat. Sie liegt im Berliner Stadtteil Mitte (also mittendrin statt nur dabei, LOL) und ist gekauft. Auf dem Wohnungsmarkt sähe es schlimm aus, erklärte er weiter. Miete mache arm. Gerade bei Geringverdienern sei es schlimm, weil fast die Hälfte des Gehalts allein für die Miete draufgehe. Den Eltern gehe es finanziell natürlich besser als Leuten mit geringem Gehalt. Papi hat als Geschäftsführer einer großen Firma mittlerweile ein ziemlich üppiges Gehalt und auch Mami erzielt als Selbstständige zwar nicht jeden Monat das gleiche Einkommen, aber auch dieses ist sehr hoch. Dennoch. Mami und Papi haben sich entschieden, eine Wohnung zu kaufen, weil das auf lange Sicht günstiger ist als Mieten. Außerdem ist es bei einem Kredit auf lange Sicht besser, manchmal eher zu klotzen als zu kleckern. Das bedeutet, dass die beiden einen ziemlich großen Kredit abzahlen müssen und daher auf eine umfassende Sanierung von Neverland zugunsten der Eigentumswohnung in Berlin verzichten.
Und dann kam mir ein wichtiger Gedanke in den Sinn, sage ich dir. Ich fragte Papi, ob genug Geld da sei, wenn ich in zwei Jahren vielleicht doch studieren möchte. Er erzählte mir, dass sie beide schon früh angefangen hätten, auf ein Sparkonto einzuzahlen. Leider bekäme dieses im Moment keine Zinsen, was ziemlich doof sei, wie ich erfuhr. Zum Studien- oder Ausbildungsbeginn würde ich von Oma Rita Aktien ausgezahlt bekommen, die sie von Opa nach dessen Tod übertragen bekommen habe. Oma Rita wolle nichts von ihrem Ex-Mann haben und investiere das Erbe lieber in ihre Enkelin. Anfangs wollte sie die Aktien überhaupt nicht haben, wie Papi weiter erzählte. Mami habe sie überredet, die Aktien nicht auszuschlagen, sondern sie später weiterzugeben. Andernfalls würden sie an die Nachkommen des Lebenspartners ihres Ex gehen, also an die Kinder von Opas Freund. Und das wollte Oma Rita auf keinen Fall. Sie schwor sogar, dass sie die „Dinger“, wie Oma Rita die Aktien nannte, niemals in die Hände nehmen würde. Lieber sollten ihr die Hände abfaulen. Offensichtlich hatte seine Schwiegermutter keine Ahnung von Finanzen, schlussfolgerte Papi. Mami hatte ihm einmal erzählt, dass monatlich eine bestimmte Summe auf das Konto ihrer Mutter ginge, sodass sie auch ohne ihr Honorar, das ja nicht immer regelmäßig käme und auch nicht immer gleich ausfalle, gut von ihrem Bewegungsgeld leben könne.
Bewegungsgeld? Ja, genau, ich musste auch erst einmal nachfragen, was Papi damit meinte. Es gibt wohl ein Konto, von dem alle laufenden Kosten bezahlt werden. Darüber werden auch sonstige Kosten beglichen, die im Alltag anfallen, wie z. B. der wöchentliche Großeinkauf, Shopping, Autoreparaturen, Urlaubsreisen oder neue Möbel. Auf diesem Konto ist also immer Geld in Bewegung und deshalb nennt man es Bewegungsgeld.
…
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Back Cover
Die Illustration zeigt Anja beim Fahrradfahren – ganz vorbildlich mit Helm und Atemschutzmaske. Wie auf dem Cover habe ich die Pflanze klein gezeichnet und sie als Umrandung des Klappentextes im oberen Bereich platziert. In Anjas Fahrradkorb ist die Pflanze noch einmal zu sehen, allerdings so winzig, dass Anja offenbar viel seelischen Ballast abwerfen konnte. Die farbig gestalteten Vögel sind ein netter Hingucker auf dem in Graustufen und Schwarz gehaltenen Back Cover.