{"id":813,"date":"2018-05-30T09:26:21","date_gmt":"2018-05-30T08:26:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/?p=813"},"modified":"2020-07-10T16:14:09","modified_gmt":"2020-07-10T14:14:09","slug":"warum-die-schriftstellerin-nele-neuhaus-so-erfolgreich-ist-und-warum-ich-nicht-paranoid-bin-eine-kritik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/?p=813","title":{"rendered":"Warum die Schriftstellerin Nele Neuhaus so erfolgreich ist und warum ich nicht paranoid bin \/ Eine Kritik"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.22&#8243;][et_pb_row _builder_version=&#8220;3.25&#8243; background_size=&#8220;initial&#8220; background_position=&#8220;top_left&#8220; background_repeat=&#8220;repeat&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;3.25&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_text _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; link_text_align=&#8220;justify&#8220; link_text_color=&#8220;#515151&#8243; text_orientation=&#8220;justified&#8220;]<\/p>\n<p>Zu Weihnachten 2014 schenkte mir meine Mutter das damals neue Buch von Nele Neuhaus \u00bbSommer der Wahrheit\u00ab, ein im Klappentext erkl\u00e4rter \u00bbUnterhaltungsroman f\u00fcr Erwachsene\u00ab, den die Autorin unter ihrem M\u00e4dchennamen \u2013 Nele L\u00f6wenberg \u2013 im Verlag <em>Ullstein<\/em> ver\u00f6ffentlichen lie\u00df. Zuvor hatte ich noch nie etwas von Nele Neuhaus gelesen oder auch nur von ihr als Bestseller-Autorin geh\u00f6rt. Ich wei\u00df, wenn ich mir mal die Bestseller-Listen anschauen w\u00fcrde, dann h\u00e4tte ich schon \u00f6fters etwas von Nele Neuhaus geh\u00f6rt. Aber ich w\u00e4re ja dann nicht ich selbst. Jedenfalls meinte meine Mutter, dass diese Autorin, wie ich, ihre ersten B\u00fccher selbst verlegt h\u00e4tte und dann ganz erfolgreich wurde. Sp\u00e4ter fand ich heraus, dass Nele Neuhaus nicht wie ich selbst verlegt hat, sondern im Verlagshaus <em>Monsenstein und Vannerda<\/em>t \u00fcber eine Selfpublishing-Plattform verlegen lie\u00df. Selbstverleger zu sein, bedeutet seine B\u00fccher tats\u00e4chlich allein zu verlegen \u2013 \u00fcber einem Gewerbe (wie dem Doreen Gehrke Verlag) als Einzelunternehmer. Hm, aber es sollte wohl ein Wink mit dem Zaunpfahl sein \u2013 Mach es doch genauso wie Nele Neuhaus? Genauso was? So zu schreiben wie Nele Neuhaus?<\/p>\n<p>Meiner Mutter zuliebe las ich das Buch und war ersch\u00fcttert. Auf den genauen Inhalt werde ich hier nicht eingehen, lest das Buch doch selbst. Der Titel \u00bbSommer der Wahrheit\u00ab sowie die \u00dcberschrift auf der Buchr\u00fcckseite \u00bbWenn ein Sommer dein ganzes Leben ver\u00e4ndert\u00ab suggerieren, dass es sich um einen einzigen Sommer handelt, in dem etwas ganz Aufregendes und Spannendes geschehen muss. Tats\u00e4chlich umfasst der erz\u00e4hlte Zeitraum etwa 1 \u00bd Jahre, von einem Fr\u00fchsommer bis zu Weihnachten des darauffolgendes Jahres und demnach zwei Sommer, in denen das M\u00e4dchen Sheridan Grant wie am Flie\u00dfband schreckliche Dinge erlebt. Sie erlebt und erlebt und erlebt, aber reflektiert nicht.<\/p>\n<p>Ganz seltsam beginnen sich, nach einem etwa 45 Seiten langen extrem langweiligen Einstieg die Ereignisse zu \u00fcberschlagen, so dass man bereits nach etwa 100 Seiten des 490 Seiten starken Buches im Winter angelangt ist. Wenn man dann, wie zuvor erw\u00e4hnt, nur von einem Sommer ausgegangen ist, fragt man sich, welcher Sommer ist mit \u00bbSommer der Wahrheit\u00ab gemeint und wie viele Sommer wird es in diesem Buch wohl noch geben? Vielleicht vier? K\u00f6nnte mit Bezug zum Erz\u00e4hltempo und den noch ausstehenden Seiten hinkommen. Die Protagonistin Sheridan ist zu Beginn der Geschichte 14 Jahre alt (S. 49). Die Autorin hatte sich f\u00fcr den Ich-Erz\u00e4hler entschieden, aber die gew\u00e4hlte Sprache ist die eines Erwachsenen. Okay, es soll ein \u00bbUnterhaltungsroman f\u00fcr Erwachsene\u00ab sein, aber h\u00e4tte man dann nicht lieber eine auktoriale Erz\u00e4hlform w\u00e4hlen sollen?<\/p>\n<p>Beim Lesen bin ich dann und wann auf Stellen gesto\u00dfen, die mich irritierten und die ich hier an Beispielen wiedergebe. \u00bbEr setzte sich auf den tiefh\u00e4ngenden Ast der alten Ulme, und ich setzte mich dicht neben ihn. So hatten wir manches Mal gesessen, fr\u00fcher, nach der Schule, als wir noch Kinder gewesen waren.\u00ab, (S. 49) \u2013 der Gedankengang einer 14-J\u00e4hrigen, als ob das Kindsein schon so lange her w\u00e4re. \u00bbGesindehaus\u00ab, (S. 21) \u2013 die Geschichte spielt in Nebraska in den Jahren 1994\/95. \u00bb&#8230;, begehrte ich auf.\u00ab, (S. 25), \u00bb&#8230;, um mich noch \u00e4rger zu bestrafen.\u00ab, (S. 27), \u00bbSie war so gro\u00df wie Dad, aber mehr als doppelt so dick \u2013 ein Trumm von einer Frau, &#8230;\u00ab, (S. 37), \u00bb&#8230; Mills-Sippe.\u00ab, (S. 42), \u00bbVon ferne &#8230;\u00ab, (S. 57), \u00bbEr kam sehr auf seiner Mutter heraus, &#8230;\u00ab, (S. 61), \u00bbAls ich geendet hatte und &#8230;\u00ab, (S. 90), \u00bbSelten hatte ich mich so gut gef\u00fchlt wie heute Morgen beim Fr\u00fchst\u00fcck, als Mutters Boshaftigkeit an meiner granitenen Gleichg\u00fcltigkeit gescheitert war.\u00ab, (S. 112), \u00bbIn dieser Sekunde fiel mir siedend hei\u00df ein, dass &#8230;\u00ab, (S. 136), \u00bbSie war ein s\u00fc\u00dfes, h\u00fcbsches Kind gewesen, das so gar nicht in diese bierernste Familie passen wollte.\u00ab, (S. 160), \u00bb\u203aIch muss los\u2039, sagte ich deshalb, bevor er mich f\u00fcr debil halten w\u00fcrde, &#8230;\u00ab, (S. 216), \u00bbIch schulterte meinen Rucksack.\u00ab, (S. 321), \u00bbSchluchzend klaubte ich meine Siebensachen von der Stra\u00dfe, &#8230;\u00ab, (S. 325).<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, ich bin ganz sicher kein Sprach-Experte und m\u00f6chte auch nie einer werden. Es hei\u00dft ja auch: Jeder nach seiner Fasson. Aber als Jugendbuchautorin hat mich Nele Neuhaus\u2019 Wortwahl einfach ge\u00e4rgert. Zudem halte ich die Protagonistin f\u00fcr unglaubw\u00fcrdig. Kein Teenager erlebt das, was Sheridan Grant alles erlebt und verh\u00e4lt sich dabei so, wie sich dieses M\u00e4dchen verh\u00e4lt. Kurz vor ihrem 15. Geburtstag verl\u00e4sst ihr guter Freund Jerry die Stadt, und sie hat zum ersten Mal Liebeskummer. Wenig sp\u00e4ter entdeckt sie ihre Sexualit\u00e4t. Motiviert durch die Erotikromane ihrer Tante, probiert sie sich aus und macht den Farmarbeitern sch\u00f6ne Augen. Mit Danny hat sie zum ersten Mal Sex und trifft sich oft mit ihm. Noch im gleichen Sommer beginnt sie eine Aff\u00e4re mit einem unansehnlichen Schriftsteller, der sich sp\u00e4ter als ihr neuer Lehrer entpuppt. Sie droht ihm mit einer Anzeige, sollte er sie nicht in Ruhe lassen und kommt mit Brandon zusammen, dem Gitarrist aus der Sch\u00fclerband. Der Sex mit dem unerfahrenen Teenager ist f\u00fcr sie entt\u00e4uschend, und sie sehnt sich nach Nicholas, einem Rodeo-Cowboy, der aber, wie man sp\u00e4ter erf\u00e4hrt, schwul ist und sie abweist. Zu Hause wird Sheridan von ihrer Mutter wie eine Auss\u00e4tzige behandelt, einer ihrer Stiefbr\u00fcder schl\u00e4gt sie zusammen und versucht, sie zu vergewaltigen. Nebenbei findet sie heraus, dass die Schwester ihrer Adoptivmutter, Carolyn Cooper, ihre leibliche Mutter ist und fr\u00fcher aus unerkl\u00e4rlichen Gr\u00fcnden die Stadt verlassen hat. Man sollte meinen, das M\u00e4dchen hat was Besseres zu tun, als sich M\u00e4nnern an den Hals zu werfen. Nach einer Halloween-Party wird sie dann von einem Polizisten, der sie vorher mehrfach stalkte, vergewaltigt, und sie erschl\u00e4gt ihn mit einem Stein. Zuvor hat sie sich wegen diesem Mann nie jemandem anvertraut, nicht einmal Nicholas, der dann die Leiche verschwinden l\u00e4sst. Hat aber ihre Haare gef\u00e4rbt und geschnitten und wohl gedacht, dass er sie nicht finden w\u00fcrde. Aber was die Figur Sheridan Grant denkt, bleibt dem Leser zumeist ein Geheimnis. Dann in der Halloween-Nacht verl\u00e4sst sie als letzte die Party und geht ganz allein zu ihrem Wagen auf dem schlecht beleuchteten Parkplatz. Was? Ist Sheridan Grant auf ihrer Schule so wichtig, dass sie alles organisieren und kontrollieren muss? Jemand, der so traumatisiert und in gro\u00dfer Angst ist wie sie, kann cool genug sein, den Party-Planer zu spielen? Nur gut, dass auf dem Parkplatz ein gro\u00dfer Stein lag, griffbereit f\u00fcr die zierliche Sheridan Grant. Leider wird sie schwanger, aber Gott sei Dank kennt Nicholas jemanden, der die Abtreibung durchf\u00fchren kann. Dann aber bekommt sie Blutungen, auch das noch, und muss ins Krankenhaus. Ihrem Adoptivvater vertraut sie sich endlich an, auch damit Nicholas entlastet ist oder vielleicht auch nur deswegen, weil er der Vergewaltigung verd\u00e4chtigt wird. Zu guter Letzt beginnt sie eine Aff\u00e4re mit dem neuen Pfarrer, der ihr mit den Tageb\u00fcchern ihrer Mutter hilft, weil diese Passagen in Altgriechisch geschrieben hat und er kann zuf\u00e4llig Altgriechisch. Auch nicht schlecht, wenn jemand in einem abgeschiedenen Landstrich irgendwo in Nebraska Altgriechisch lernt und diese Sprache als Geheimsprache verwendet, damit die b\u00f6se Schwester, Sheridans Adoptivmutter, den Inhalt nicht versteht. Sheridan liebt Horatio, den verheirateten Pfarrer und zweifachen Vater, will ihm aber nicht wehtun und auch nicht seiner Karriere schaden. Am Weihnachtsabend verl\u00e4sst sie die Farm Richtung New York, wo ein Musikproduzent mit ihr eine CD aufnehmen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Sch\u00f6n, wie sich das alles zusammenf\u00fcgt. Man darf nicht vergessen, dass Sheridan neben Sex, Schl\u00e4gen, Vergewaltigung und versuchten Vergewaltigungen, Abtreibung, dem L\u00f6sen des R\u00e4tsels um ihrer Mutter und ihrer Adoption noch an ihrer Musikkarriere gebastelt hat. Wow, so eine Geschichte w\u00fcrde mir im Leben nicht einfallen. W\u00e4hrend des Lesens habe ich oft an meine Figuren gedacht und mich immer wieder gefragt, warum Sheridan Grant nie richtig in sich geht und sich fragt: Was mache ich hier eigentlich? Meine Charaktere hinterfragen sich st\u00e4ndig. Aber bei Nele Neuhaus wird zumeist nur agiert, und das Tempo war f\u00fcr mich kaum auszuhalten. Und ist es nun das, was von vielen Lesern erwartet wird? Viele Ereignisse, schnell aufeinanderfolgend ohne Reflexion?<\/p>\n<p>Ich dachte dann, dass dieses Buch vielleicht ein Ausrutscher sei und die tats\u00e4chlichen Bestseller von Nele Neuhaus mir besser gefallen w\u00fcrden. Sie w\u00e4ren gut strukturiert, h\u00e4tten eine passende Sprache, die Charaktere w\u00e4ren glaubw\u00fcrdig, Handlungen w\u00e4ren nachvollziehbar. Ich entschied mich, den Spiegel-Bestseller \u00bbUnter Haien\u00ab zu lesen und war ersch\u00fcttert. Alex Sontheim, eine junge Investmentbankerin, die beste ihres Fachs, schafft es jeden, wirklich noch so schwierigen Deal erfolgreich auszuhandeln. Aber diese Person, die, noch dazu als Frau, sicher vielen Neidern und hinterh\u00e4ltigen Kollegen im Laufe ihrer Karriere begegnet sein muss, bekommt nicht mit, wie sie als Marionette f\u00fcr illegale Geldgesch\u00e4fte benutzt und kontrolliert wird? Wie konnte die Frau so erfolgreich werden, wenn sie keinen Instinkt hat und kein Misstrauen gegen\u00fcber anderen Kollegen hegt? In diesem Gesch\u00e4ft muss man doch immer davon ausgehen, dass jemand einen ans Bein pinkeln will. Naiv wie sie ist, f\u00fchrt ihr Weg direkt ins Bett des dubiosen Gesch\u00e4ftsmanns Sergio Vitali. Bereits fr\u00fch warnt sie New Yorks B\u00fcrgermeister vor diesen Mann. Nicholas Kostidis war zuvor Bundesstaatsanwalt und hat erfolgreich gegen die Korruption in dieser Stadt gek\u00e4mpft. Das wei\u00df auch Alex Sontheim. Hier h\u00e4tte sie sich fragen m\u00fcssen, warum der Mann sie warnt und anfangen m\u00fcssen, selbst zu recherchieren. Wenn man bis ins kleinste Detail f\u00fcr Firmenfusionen nach Daten und Fakten sucht, um Firmenmarktwerte und Angebote festlegen zu k\u00f6nnen, dann hinterfragt man auch Warnungen, insbesondere wenn sie vom B\u00fcrgermeister der wichtigsten Stadt in den USA kommen. Zudem tritt Alex Sontheim die Nachfolge von Gilbert Shanahan an, der zuvor von einem LKW \u00fcberrollt wurde, als er auf dem Weg zu einer Anh\u00f6rung vor der B\u00f6rsenaufsichtsbeh\u00f6rde war. Eine Anh\u00f6rung ist ein offizieller Termin. Es muss sich herumgesprochen haben, und ich kann mir nicht vorstellen, dass Alex Sontheim davon nichts geh\u00f6rt haben will. Und man nimmt doch bei einer Firma keine Stelle an, die unter Verdacht steht, illegale Gesch\u00e4fte zu t\u00e4tigen. Aus welch anderen Grund h\u00e4tte die B\u00f6rsenaufsicht Gilbert Shanahan vorladen sollen? Der Mann hat einen Termin gehabt, er ist nicht aus dem B\u00fcro gelaufen Richtung B\u00f6rsenaufsichtsbeh\u00f6rde, weil er so schnell wie m\u00f6glich jemanden etwas verraten wollte. Die B\u00f6rsenaufsicht muss selbst oder durch einen Spitzel in der Firma davon Wind bekommen haben.<\/p>\n<p>Gleich am Anfang der Geschichte hat Nele Neuhaus diesen riesigen Fehler gemacht, der vielleicht kaum jemandem aufgefallen ist. Aber mir ist er aufgefallen, und darum war dieses Buch bereits am Anfang f\u00fcr mich gestorben, und die Figur Alex Sontheim war f\u00fcr mich von Beginn an nur ein Witz in einem Kost\u00fcm. Es ist das gewohnte Tempo aus \u00bbSommer der Wahrheit\u00ab und schlimmer, die Zeit \u00fcberholt sich selbst. Die auktoriale Erz\u00e4hlform wurde gew\u00e4hlt, was auch notwendig war, weil teilweise die zeitgleichen Ereignisse an drei Stellen geschildert werden \u2013 Alex, Vitali und Kostidis.<\/p>\n<p>Bei diesem knapp 670 Seiten starken Schinken musste ich dann und wann mit der Stirn runzeln oder mit dem Kopf sch\u00fctteln. Auf einige Beispiele m\u00f6chte ich hier nicht verzichten. \u00bb&#8230;, wie vernarrt er in dieses blonde Weibsst\u00fcck war. &#8230;\u00ab, (S. 49) \u2013 Alex Sontheim ist eine blondhaarige Frau, richtig, aber auf dem Cover hat sie dunkle Haare. Hier hat der Verlag gepennt. \u00bbAuf dem gro\u00dfen Platz vor der Villa parkten eine Menge Autos, und ein sonnenbebrillter Mann wies ihr einen Parkplatz zu.\u00ab, (S. 102), \u00bb\u203a Na ja\u2039, Zack sch\u00fcrzte die Lippen &#8230;\u00ab, (S. 103), \u00bbNick hatte seit diesem Gespr\u00e4ch oft \u00fcber Rosenbaums Worte nachgegr\u00fcbelt.\u00ab, (S. 131) \u2013 gegr\u00fcbelt oder nachgedacht, soviel ich wei\u00df, \u00bbMotten umspukten die Laterne, &#8230;\u00ab, (S. 132), \u00bb\u203aJerome\u2039, Nick reicht dem rotgesichtigen Mann &#8230;\u00ab, (S. 141), \u00bbDer Fuchswallach stob los wie mit einem Kickdown, &#8230;\u00ab, (S. 178) und \u00bb&#8230; und diese parierte den Fuchs ein paar Meter vorher durch, &#8230;\u00ab, (S. 179) \u2013 nicht jeder Leser reitet oder hat schon mal was von einem Kickdown geh\u00f6rt, \u00bbSergio wurde durch das Erscheinen des Chef de Cuisine einer Antwort enthoben, &#8230;\u00ab, (S. 211), \u00bbNur zehn Minuten sp\u00e4ter hielt der Streifenwagen in einer Stichstra\u00dfe &#8230;\u00ab, (S. 222) \u2013 bei genauen Zeitangaben mit Stoppuhr?, \u00bb\u203aEs &#8230; es ist wahr\u2039, murmelte er nach einer Weile, und sein Selbstbewusstsein fiel wie Asche in sich zusammen.\u00ab, (S. 329), \u00bbLevy verga\u00df seine gute Erziehung und fluchte wie ein Droschkenkutscher.\u00ab, (S. 552) \u2013 in den Jahren 1999 bis 2001 passt das nicht, \u00bb&#8230;\u203aes ist gleich halb sechs.\u2039\u00ab und \u00bbAber im Licht der Morgend\u00e4mmerung &#8230;\u00ab, (S. 566) \u2013 im Dezember setzt die Morgend\u00e4mmerung ganz sicher nicht um halb sechs ein, \u00bb\u203a dass mein Name in einer Reihe mit einem Kretin wie Kostidis steht!\u2039\u00ab, (S. 573), \u00bbNick lie\u00df das Telefon drei\u00dfigmal klingeln.\u00ab, (S. 575) \u2013 kein Mensch bei gesunden Menschenverstand l\u00e4sst das Telefon drei\u00dfigmal klingeln und hat dann noch dabei mitgez\u00e4hlt, \u00bbDer Polizeichef flog herum und starrte den stellvertretenden Leiter des FBI \u00fcberrascht an.\u00ab, (S. 580), \u00bb\u203aWas sagen Sie zu diesen Vorw\u00fcrfen?\u00ab, lie\u00df sich Jenkins vernehmen.\u00ab, (S. 584), \u00bbEr seufzte abgrundtief.\u00ab, (S. 597), \u00bb\u203aJenkins setzt mir das Messer auf die Brust.\u2039\u00ab, (S. 606) \u2013 h\u00e4lt mir das Messer\u2044die Pistole vor die Brust, soviel ich wei\u00df, \u00bbEs w\u00fcrde f\u00fcr Vitali keine M\u00f6glichkeit mehr geben, sich diesem Vorwurf zu entwinden.\u00ab, (S. 616).<\/p>\n<p>Stellenweise sind W\u00f6rter gew\u00e4hlt worden, die man nur noch selten spricht. Ich verstehe nicht, warum darauf nicht geachtet wird. Die Verlage haben doch alle super Lektoren. F\u00fcr meine Jugendb\u00fccher habe ich auch keine anspruchsvolle Sprache gew\u00e4hlt, aber ich verkaufe ja auch keine Bestseller. Offensichtlich geht es auch gar nicht um Sprache, sondern um Ereignisse wie am Flie\u00dfband, die das Buch spannend machen sollen, unterhalten sollen \u2013 ein Unterhaltungsroman, nichts weiter. Ob das alles Sinn macht und tats\u00e4chlich so vonstattengehen kann, hinterfragt der Bestseller-Leser nicht? Wie auch immer, ich bin kein Bestseller-Leser. Aber ich verstehe jetzt, warum Nele Neuhaus so erfolgreich ist.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum Buch. Ich finde es seltsam, dass Alex Sontheim, nachdem sie von Sergio Vitali vergewaltigt wird, nicht aus seinem Apartmenthaus auszieht, nach einer Zeit lang wieder mit ihm schl\u00e4ft und sogar meint, sich gegen\u00fcber einem Mafiaboss behaupten zu k\u00f6nnen. Als sie in die Schweiz flieht, nimmt sie in ihrem Hotelzimmer ein Schaumbad und trinkt Champagner, w\u00e4hrend zwei ihrer Helfer verschwunden sind, vielleicht ermordet im <em>Hudson River<\/em> rumschwimmen. Die Frau ist ja so cool. Zur\u00fcck in New York tr\u00e4gt sie sich unter dem gleichen Namen wie im Schweizer Hotel ein, aus dem sie Tage zuvor nach Deutschland fl\u00fcchten musste. Also wussten Vitalis M\u00e4nner unter welchem Namen sie dort gemeldet war. Wie d\u00e4mlich kann eine so clevere Gesch\u00e4ftsfrau sein? Hat die nie James Bond gesehen? Zuerst habe ich das gedacht, als ich las, wie sie in bester Agentenmanier \u00fcber L\u00fcftungssch\u00e4chte das B\u00fcrogeb\u00e4ude verlassen und auf einem Fahrrad Sergio Vitalis Armee von Berufskillern bis nach Chinatown entkommen konnte. Im Hotelzimmer wartet sie dann mit Champagner und Knabbereien auf den B\u00fcrgermeister, zu dem sie sich irgendwann hingezogen zu f\u00fchlen begann. Der wird logischerweise von Vitalis M\u00e4nnern verfolgt und \u00fcber Alex Sontheims eingetragenen gleichen Namen wie in Z\u00fcrich wissen sie, in welchem Zimmer beide sind. Die Turteltauben haben dann auch noch Sex, wie \u00fcberraschend, was schnulzenhaft auf ganze drei Seiten beschrieben wird. Da h\u00e4tte ich das Buch in die n\u00e4chste Ecke schmei\u00dfen k\u00f6nnen, wenn ich es nicht schon fast bis zu Ende gelesen h\u00e4tte. Aber ich muss schon sagen, Alex Sontheim ist eine starke Frau, wie sie mehr tot als lebendig, von Vitalis M\u00e4nnern zusammengeschlagen und mehrfach vergewaltigt, aus dem eiskalten <em>Hudson<\/em> <em>River<\/em> gefischt wird und den Killern im Krankenhaus dann wieder entkommt. Habe ich schon erw\u00e4hnt, dass sie Wochen zuvor dem B\u00fcrgermeister mit einem Hechtsprung sein Leben rettete, als dieser auf dem Friedhof seine tote Familie besuchte? Ja, ja, da hat Nele Neuhaus eine <em>Super Woman<\/em> im Kost\u00fcm einer Investmentbankerin geschaffen. Auf die Idee w\u00e4re ich nie gekommen.<\/p>\n<p>Und dann, es war Anfang Mai 2015, zeigte das ZDF eine Verfilmung des Nele Neuhaus\u2019 Romans \u00bbWer Wind s\u00e4t\u00ab, eine Folge ihres Kripo-Duos Kirchhoff und von Bodenstein \u2013 ein sogenannter Taunus-Krimi. Ich konnte meine Augen nicht von der Mattscheibe lassen und war \u2013 eins, zwei, drei \u2013 ersch\u00fcttert. Sexueller und psychischer Missbrauch Schutzbefohlener, Mobbing wegen \u00dcbergewicht, offener Scheidungskrieg, heimliche Heirat, Verf\u00fchrung Minderj\u00e4hriger, Erpressung, heimliche Adoption, Gutachtenf\u00e4lschung, Patentklau, Mord und Todschlag, Tumulte bei Pressekonferenz, Geiselnahme mit SEK-Einsatz \u2013 und das alles in einem rasenden Tempo. Manchmal sollte man sich wohl eher nicht so genau an die Vorlage halten. Ich hatte zeitweise gro\u00dfe Probleme, mitzukommen und die Zusammenh\u00e4nge zu verstehen.<\/p>\n<p>Auf den genauen Ablauf m\u00f6chte ich gar nicht eingehen, aber eine Szene fand ich wirklich sehr seltsam. Die Pressekonferenz im Wirtshaus. Geladen sind nat\u00fcrlich der Sprecher der B\u00fcrgerinitiative, die gegen die Errichtung eines Windparks ist, und der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des zuk\u00fcnftigen Anlagenbetreuers. Die beiden Kripo-Beamte sind auch anwesend. Es dauert nicht lange, als Jugendliche beginnen, mit Gem\u00fcse zu schmei\u00dfen. Mir v\u00f6llig unbegreiflich bricht eine Panik aus. Und es wird noch seltsamer. Die Jugendlichen sind die ersten, die rauslaufen und es fliegt nichts mehr durch die Gegend. Dennoch schreien die Anwesenden weiterhin wild durcheinander und laufen hektisch aus dem kleinen Versammlungsraum. Dabei f\u00e4llt die Kirchhoff noch hin und von Bodenstein ruft, man m\u00fcsse so schnell wie m\u00f6glich raus. \u00bbWovor laufen die denn weg?\u00ab, fragte ich mich. Die taten so, als ob jemand Tr\u00e4nengas freigesetzt h\u00e4tte. Vor allem sah es so aus, als w\u00fcrde die Gefahr von den beiden Herren der B\u00fcrgerinitiative und der Windkraftfirma ausgehen. Und \u00fcber den SEK-Einsatz auf der Wetterstation schreibe ich lieber nichts, au\u00dfer dass es dem ganzen Bl\u00f6dsinn noch die Krone aufsetzte.<\/p>\n<p>Der Film lie\u00df mir keine Ruhe und am n\u00e4chsten Morgen suchte ich im Internet nach einer Rezension. Vielleicht hatte ja jemand das Bed\u00fcrfnis, seinen Eindruck \u00fcber die Verfilmung in die \u00d6ffentlichkeit zu tragen, und ich wurde f\u00fcndig. Im <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/medien\/das-zdf-verfilmt-wer-wind-saet-nach-dem-roman-von-nele-neuhaus-13572491.html\">Feuilleton<\/a> der <em>Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ)<\/em> fand ich einen Bericht, der mich sehr beruhigte, denn ich verstand, dass ich mit meiner Meinung zur Verfilmung sowie \u00fcber Nele Neuhaus\u2019 B\u00fccher nicht alleine bin. Gut, ich bin also nicht paranoid.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unverk\u00e4uflicher Text von Doreen Gehrke. Die Verwendung dieses Textes, ob nun auszugsweise oder in vollem Umfang, ist ohne schriftlicher Zustimmung von Doreen Gehrke urheberrechtswidrig. Auch eine \u00dcbersetzung des Textes sowie die Verwendung in elektronischen Systemen ist strafbar.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/8f6bf3152cf84f61ab14c627d7b56246\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_button button_text=&#8220;Zur\u00fcck&#8220; _builder_version=&#8220;4.5.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; button_url=&#8220;https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/?page_id=340&#8243; button_alignment=&#8220;left&#8220; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_color=&#8220;#000000&#8243; button_border_color=&#8220;#000000&#8243; box_shadow_style=&#8220;preset6&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_button][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.22&#8243;][et_pb_row _builder_version=&#8220;3.25&#8243; background_size=&#8220;initial&#8220; background_position=&#8220;top_left&#8220; background_repeat=&#8220;repeat&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;3.25&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_text _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; link_text_align=&#8220;justify&#8220; link_text_color=&#8220;#515151&#8243; text_orientation=&#8220;justified&#8220;] Zu Weihnachten 2014 schenkte mir meine Mutter das damals neue Buch von Nele Neuhaus \u00bbSommer der Wahrheit\u00ab, ein im Klappentext erkl\u00e4rter \u00bbUnterhaltungsroman f\u00fcr Erwachsene\u00ab, den die Autorin unter ihrem M\u00e4dchennamen \u2013 Nele L\u00f6wenberg \u2013 im Verlag Ullstein ver\u00f6ffentlichen lie\u00df. 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Jedenfalls meinte meine Mutter, dass diese Autorin, wie ich, ihre ersten B\u00fccher selbst verlegt h\u00e4tte und dann ganz erfolgreich wurde. Sp\u00e4ter fand ich heraus, dass Nele Neuhaus nicht wie ich selbst verlegt hat, sondern im Verlagshaus <em>Monsenstein und Vannerda<\/em>t \u00fcber eine Selfpublishing-Plattform verlegen lie\u00df. Selbstverleger zu sein, bedeutet seine B\u00fccher tats\u00e4chlich allein zu verlegen \u2013 \u00fcber einem Gewerbe (wie dem Doreen Gehrke Verlag) als Einzelunternehmer. Hm, aber es sollte wohl ein Wink mit dem Zaunpfahl sein \u2013 Mach es doch genauso wie Nele Neuhaus? Genauso was? So zu schreiben wie Nele Neuhaus?<\/p><p>Meiner Mutter zuliebe las ich das Buch und war ersch\u00fcttert. Auf den genauen Inhalt werde ich hier nicht eingehen, lest das Buch doch selbst. Der Titel \u00bbSommer der Wahrheit\u00ab sowie die \u00dcberschrift auf der Buchr\u00fcckseite \u00bbWenn ein Sommer dein ganzes Leben ver\u00e4ndert\u00ab suggerieren, dass es sich um einen einzigen Sommer handelt, in dem etwas ganz Aufregendes und Spannendes geschehen muss. Tats\u00e4chlich umfasst der erz\u00e4hlte Zeitraum etwa 1 \u00bd Jahre, von einem Fr\u00fchsommer bis zu Weihnachten des darauffolgendes Jahres und demnach zwei Sommer, in denen das M\u00e4dchen Sheridan Grant wie am Flie\u00dfband schreckliche Dinge erlebt. Sie erlebt und erlebt und erlebt, aber reflektiert nicht.<\/p><p>Ganz seltsam beginnen sich, nach einem etwa 45 Seiten langen extrem langweiligen Einstieg die Ereignisse zu \u00fcberschlagen, so dass man bereits nach etwa 100 Seiten des 490 Seiten starken Buches im Winter angelangt ist. Wenn man dann, wie zuvor erw\u00e4hnt, nur von einem Sommer ausgegangen ist, fragt man sich, welcher Sommer ist mit \u00bbSommer der Wahrheit\u00ab gemeint und wie viele Sommer wird es in diesem Buch wohl noch geben? Vielleicht vier? K\u00f6nnte mit Bezug zum Erz\u00e4hltempo und den noch ausstehenden Seiten hinkommen. Die Protagonistin Sheridan ist zu Beginn der Geschichte 14 Jahre alt (S. 49). Die Autorin hatte sich f\u00fcr den Ich-Erz\u00e4hler entschieden, aber die gew\u00e4hlte Sprache ist die eines Erwachsenen. Okay, es soll ein \u00bbUnterhaltungsroman f\u00fcr Erwachsene\u00ab sein, aber h\u00e4tte man dann nicht lieber eine auktoriale Erz\u00e4hlform w\u00e4hlen sollen?<\/p><p>Beim Lesen bin ich dann und wann auf Stellen gesto\u00dfen, die mich irritierten und die ich hier an Beispielen wiedergebe. \u00bbEr setzte sich auf den tiefh\u00e4ngenden Ast der alten Ulme, und ich setzte mich dicht neben ihn. So hatten wir manches Mal gesessen, fr\u00fcher, nach der Schule, als wir noch Kinder gewesen waren.\u00ab, (S. 49) \u2013 der Gedankengang einer 14-J\u00e4hrigen, als ob das Kindsein schon so lange her w\u00e4re. \u00bbGesindehaus\u00ab, (S. 21) \u2013 die Geschichte spielt in Nebraska in den Jahren 1994\/95. \u00bb..., begehrte ich auf.\u00ab, (S. 25), \u00bb..., um mich noch \u00e4rger zu bestrafen.\u00ab, (S. 27), \u00bbSie war so gro\u00df wie Dad, aber mehr als doppelt so dick \u2013 ein Trumm von einer Frau, ...\u00ab, (S. 37), \u00bb... Mills-Sippe.\u00ab, (S. 42), \u00bbVon ferne ...\u00ab, (S. 57), \u00bbEr kam sehr auf seiner Mutter heraus, ...\u00ab, (S. 61), \u00bbAls ich geendet hatte und ...\u00ab, (S. 90), \u00bbSelten hatte ich mich so gut gef\u00fchlt wie heute Morgen beim Fr\u00fchst\u00fcck, als Mutters Boshaftigkeit an meiner granitenen Gleichg\u00fcltigkeit gescheitert war.\u00ab, (S. 112), \u00bbIn dieser Sekunde fiel mir siedend hei\u00df ein, dass ...\u00ab, (S. 136), \u00bbSie war ein s\u00fc\u00dfes, h\u00fcbsches Kind gewesen, das so gar nicht in diese bierernste Familie passen wollte.\u00ab, (S. 160), \u00bb\u203aIch muss los\u2039, sagte ich deshalb, bevor er mich f\u00fcr debil halten w\u00fcrde, ...\u00ab, (S. 216), \u00bbIch schulterte meinen Rucksack.\u00ab, (S. 321), \u00bbSchluchzend klaubte ich meine Siebensachen von der Stra\u00dfe, ...\u00ab, (S. 325).<\/p><p>Ich wei\u00df, ich bin ganz sicher kein Sprach-Experte und m\u00f6chte auch nie einer werden. Es hei\u00dft ja auch: Jeder nach seiner Fasson. Aber als Jugendbuchautorin hat mich Nele Neuhaus\u2019 Wortwahl einfach ge\u00e4rgert. Zudem halte ich die Protagonistin f\u00fcr unglaubw\u00fcrdig. Kein Teenager erlebt das, was Sheridan Grant alles erlebt und verh\u00e4lt sich dabei so, wie sich dieses M\u00e4dchen verh\u00e4lt. Kurz vor ihrem 15. Geburtstag verl\u00e4sst ihr guter Freund Jerry die Stadt, und sie hat zum ersten Mal Liebeskummer. Wenig sp\u00e4ter entdeckt sie ihre Sexualit\u00e4t. Motiviert durch die Erotikromane ihrer Tante, probiert sie sich aus und macht den Farmarbeitern sch\u00f6ne Augen. Mit Danny hat sie zum ersten Mal Sex und trifft sich oft mit ihm. Noch im gleichen Sommer beginnt sie eine Aff\u00e4re mit einem unansehnlichen Schriftsteller, der sich sp\u00e4ter als ihr neuer Lehrer entpuppt. Sie droht ihm mit einer Anzeige, sollte er sie nicht in Ruhe lassen und kommt mit Brandon zusammen, dem Gitarrist aus der Sch\u00fclerband. Der Sex mit dem unerfahrenen Teenager ist f\u00fcr sie entt\u00e4uschend, und sie sehnt sich nach Nicholas, einem Rodeo-Cowboy, der aber, wie man sp\u00e4ter erf\u00e4hrt, schwul ist und sie abweist. Zu Hause wird Sheridan von ihrer Mutter wie eine Auss\u00e4tzige behandelt, einer ihrer Stiefbr\u00fcder schl\u00e4gt sie zusammen und versucht, sie zu vergewaltigen. Nebenbei findet sie heraus, dass die Schwester ihrer Adoptivmutter, Carolyn Cooper, ihre leibliche Mutter ist und fr\u00fcher aus unerkl\u00e4rlichen Gr\u00fcnden die Stadt verlassen hat. Man sollte meinen, das M\u00e4dchen hat was Besseres zu tun, als sich M\u00e4nnern an den Hals zu werfen. Nach einer Halloween-Party wird sie dann von einem Polizisten, der sie vorher mehrfach stalkte, vergewaltigt, und sie erschl\u00e4gt ihn mit einem Stein. Zuvor hat sie sich wegen diesem Mann nie jemandem anvertraut, nicht einmal Nicholas, der dann die Leiche verschwinden l\u00e4sst. Hat aber ihre Haare gef\u00e4rbt und geschnitten und wohl gedacht, dass er sie nicht finden w\u00fcrde. Aber was die Figur Sheridan Grant denkt, bleibt dem Leser zumeist ein Geheimnis. Dann in der Halloween-Nacht verl\u00e4sst sie als letzte die Party und geht ganz allein zu ihrem Wagen auf dem schlecht beleuchteten Parkplatz. Was? Ist Sheridan Grant auf ihrer Schule so wichtig, dass sie alles organisieren und kontrollieren muss? Jemand, der so traumatisiert und in gro\u00dfer Angst ist wie sie, kann cool genug sein, den Party-Planer zu spielen? Nur gut, dass auf dem Parkplatz ein gro\u00dfer Stein lag, griffbereit f\u00fcr die zierliche Sheridan Grant. Leider wird sie schwanger, aber Gott sei Dank kennt Nicholas jemanden, der die Abtreibung durchf\u00fchren kann. Dann aber bekommt sie Blutungen, auch das noch, und muss ins Krankenhaus. Ihrem Adoptivvater vertraut sie sich endlich an, auch damit Nicholas entlastet ist oder vielleicht auch nur deswegen, weil er der Vergewaltigung verd\u00e4chtigt wird. Zu guter Letzt beginnt sie eine Aff\u00e4re mit dem neuen Pfarrer, der ihr mit den Tageb\u00fcchern ihrer Mutter hilft, weil diese Passagen in Altgriechisch geschrieben hat und er kann zuf\u00e4llig Altgriechisch. Auch nicht schlecht, wenn jemand in einem abgeschiedenen Landstrich irgendwo in Nebraska Altgriechisch lernt und diese Sprache als Geheimsprache verwendet, damit die b\u00f6se Schwester, Sheridans Adoptivmutter, den Inhalt nicht versteht. Sheridan liebt Horatio, den verheirateten Pfarrer und zweifachen Vater, will ihm aber nicht wehtun und auch nicht seiner Karriere schaden. Am Weihnachtsabend verl\u00e4sst sie die Farm Richtung New York, wo ein Musikproduzent mit ihr eine CD aufnehmen m\u00f6chte.<\/p><p>Sch\u00f6n, wie sich das alles zusammenf\u00fcgt. Man darf nicht vergessen, dass Sheridan neben Sex, Schl\u00e4gen, Vergewaltigung und versuchten Vergewaltigungen, Abtreibung, dem L\u00f6sen des R\u00e4tsels um ihrer Mutter und ihrer Adoption noch an ihrer Musikkarriere gebastelt hat. Wow, so eine Geschichte w\u00fcrde mir im Leben nicht einfallen. W\u00e4hrend des Lesens habe ich oft an meine Figuren gedacht und mich immer wieder gefragt, warum Sheridan Grant nie richtig in sich geht und sich fragt: Was mache ich hier eigentlich? Meine Charaktere hinterfragen sich st\u00e4ndig. Aber bei Nele Neuhaus wird zumeist nur agiert, und das Tempo war f\u00fcr mich kaum auszuhalten. Und ist es nun das, was von vielen Lesern erwartet wird? Viele Ereignisse, schnell aufeinanderfolgend ohne Reflexion?\u00a0<\/p><p>Ich dachte dann, dass dieses Buch vielleicht ein Ausrutscher sei und die tats\u00e4chlichen Bestseller von Nele Neuhaus mir besser gefallen w\u00fcrden. Sie w\u00e4ren gut strukturiert, h\u00e4tten eine passende Sprache, die Charaktere w\u00e4ren glaubw\u00fcrdig, Handlungen w\u00e4ren nachvollziehbar. Ich entschied mich, den Spiegel-Bestseller \u00bbUnter Haien\u00ab zu lesen und war ersch\u00fcttert. Alex Sontheim, eine junge Investmentbankerin, die beste ihres Fachs, schafft es jeden, wirklich noch so schwierigen Deal erfolgreich auszuhandeln. Aber diese Person, die, noch dazu als Frau, sicher vielen Neidern und hinterh\u00e4ltigen Kollegen im Laufe ihrer Karriere begegnet sein muss, bekommt nicht mit, wie sie als Marionette f\u00fcr illegale Geldgesch\u00e4fte benutzt und kontrolliert wird? Wie konnte die Frau so erfolgreich werden, wenn sie keinen Instinkt hat und kein Misstrauen gegen\u00fcber anderen Kollegen hegt? In diesem Gesch\u00e4ft muss man doch immer davon ausgehen, dass jemand einen ans Bein pinkeln will. Naiv wie sie ist, f\u00fchrt ihr Weg direkt ins Bett des dubiosen Gesch\u00e4ftsmanns Sergio Vitali. Bereits fr\u00fch warnt sie New Yorks B\u00fcrgermeister vor diesen Mann. Nicholas Kostidis war zuvor Bundesstaatsanwalt und hat erfolgreich gegen die Korruption in dieser Stadt gek\u00e4mpft. Das wei\u00df auch Alex Sontheim. Hier h\u00e4tte sie sich fragen m\u00fcssen, warum der Mann sie warnt und anfangen m\u00fcssen, selbst zu recherchieren. Wenn man bis ins kleinste Detail f\u00fcr Firmenfusionen nach Daten und Fakten sucht, um Firmenmarktwerte und Angebote festlegen zu k\u00f6nnen, dann hinterfragt man auch Warnungen, insbesondere wenn sie vom B\u00fcrgermeister der wichtigsten Stadt in den USA kommen. Zudem tritt Alex Sontheim die Nachfolge von Gilbert Shanahan an, der zuvor von einem LKW \u00fcberrollt wurde, als er auf dem Weg zu einer Anh\u00f6rung vor der B\u00f6rsenaufsichtsbeh\u00f6rde war. Eine Anh\u00f6rung ist ein offizieller Termin. Es muss sich herumgesprochen haben, und ich kann mir nicht vorstellen, dass Alex Sontheim davon nichts geh\u00f6rt haben will. Und man nimmt doch bei einer Firma keine Stelle an, die unter Verdacht steht, illegale Gesch\u00e4fte zu t\u00e4tigen. Aus welch anderen Grund h\u00e4tte die B\u00f6rsenaufsicht Gilbert Shanahan vorladen sollen? Der Mann hat einen Termin gehabt, er ist nicht aus dem B\u00fcro gelaufen Richtung B\u00f6rsenaufsichtsbeh\u00f6rde, weil er so schnell wie m\u00f6glich jemanden etwas verraten wollte. Die B\u00f6rsenaufsicht muss selbst oder durch einen Spitzel in der Firma davon Wind bekommen haben.<\/p><p>Gleich am Anfang der Geschichte hat Nele Neuhaus diesen riesigen Fehler gemacht, der vielleicht kaum jemandem aufgefallen ist. Aber mir ist er aufgefallen, und darum war dieses Buch bereits am Anfang f\u00fcr mich gestorben, und die Figur Alex Sontheim war f\u00fcr mich von Beginn an nur ein Witz in einem Kost\u00fcm. Es ist das gewohnte Tempo aus \u00bbSommer der Wahrheit\u00ab und schlimmer, die Zeit \u00fcberholt sich selbst. Die auktoriale Erz\u00e4hlform wurde gew\u00e4hlt, was auch notwendig war, weil teilweise die zeitgleichen Ereignisse an drei Stellen geschildert werden \u2013 Alex, Vitali und Kostidis.<\/p><p>Bei diesem knapp 670 Seiten starken Schinken musste ich dann und wann mit der Stirn runzeln oder mit dem Kopf sch\u00fctteln. Auf einige Beispiele m\u00f6chte ich hier nicht verzichten. \u00bb..., wie vernarrt er in dieses blonde Weibsst\u00fcck war. ...\u00ab, (S. 49) \u2013 Alex Sontheim ist eine blondhaarige Frau, richtig, aber auf dem Cover hat sie dunkle Haare. Hier hat der Verlag gepennt. \u00bbAuf dem gro\u00dfen Platz vor der Villa parkten eine Menge Autos, und ein sonnenbebrillter Mann wies ihr einen Parkplatz zu.\u00ab, (S. 102), \u00bb\u203a Na ja\u2039, Zack sch\u00fcrzte die Lippen ...\u00ab, (S. 103), \u00bbNick hatte seit diesem Gespr\u00e4ch oft \u00fcber Rosenbaums Worte nachgegr\u00fcbelt.\u00ab, (S. 131) \u2013 gegr\u00fcbelt oder nachgedacht, soviel ich wei\u00df, \u00bbMotten umspukten die Laterne, ...\u00ab, (S. 132), \u00bb\u203aJerome\u2039, Nick reicht dem rotgesichtigen Mann ...\u00ab, (S. 141), \u00bbDer Fuchswallach stob los wie mit einem Kickdown, ...\u00ab, (S. 178) und \u00bb... und diese parierte den Fuchs ein paar Meter vorher durch, ...\u00ab, (S. 179) \u2013 nicht jeder Leser reitet oder hat schon mal was von einem Kickdown geh\u00f6rt, \u00bbSergio wurde durch das Erscheinen des Chef de Cuisine einer Antwort enthoben, ...\u00ab, (S. 211), \u00bbNur zehn Minuten sp\u00e4ter hielt der Streifenwagen in einer Stichstra\u00dfe ...\u00ab, (S. 222) \u2013 bei genauen Zeitangaben mit Stoppuhr?, \u00bb\u203aEs ... es ist wahr\u2039, murmelte er nach einer Weile, und sein Selbstbewusstsein fiel wie Asche in sich zusammen.\u00ab, (S. 329), \u00bbLevy verga\u00df seine gute Erziehung und fluchte wie ein Droschkenkutscher.\u00ab, (S. 552) \u2013 in den Jahren 1999 bis 2001 passt das nicht, \u00bb...\u203aes ist gleich halb sechs.\u2039\u00ab und \u00bbAber im Licht der Morgend\u00e4mmerung ...\u00ab, (S. 566) \u2013 im Dezember setzt die Morgend\u00e4mmerung ganz sicher nicht um halb sechs ein, \u00bb\u203a dass mein Name in einer Reihe mit einem Kretin wie Kostidis steht!\u2039\u00ab, (S. 573), \u00bbNick lie\u00df das Telefon drei\u00dfigmal klingeln.\u00ab, (S. 575) \u2013 kein Mensch bei gesunden Menschenverstand l\u00e4sst das Telefon drei\u00dfigmal klingeln und hat dann noch dabei mitgez\u00e4hlt, \u00bbDer Polizeichef flog herum und starrte den stellvertretenden Leiter des FBI \u00fcberrascht an.\u00ab, (S. 580), \u00bb\u203aWas sagen Sie zu diesen Vorw\u00fcrfen?\u00ab, lie\u00df sich Jenkins vernehmen.\u00ab, (S. 584), \u00bbEr seufzte abgrundtief.\u00ab, (S. 597), \u00bb\u203aJenkins setzt mir das Messer auf die Brust.\u2039\u00ab, (S. 606) \u2013 h\u00e4lt mir das Messer\u2044die Pistole vor die Brust, soviel ich wei\u00df, \u00bbEs w\u00fcrde f\u00fcr Vitali keine M\u00f6glichkeit mehr geben, sich diesem Vorwurf zu entwinden.\u00ab, (S. 616).<\/p><p>Stellenweise sind W\u00f6rter gew\u00e4hlt worden, die man nur noch selten spricht. Ich verstehe nicht, warum darauf nicht geachtet wird. Die Verlage haben doch alle super Lektoren. F\u00fcr meine Jugendb\u00fccher habe ich auch keine anspruchsvolle Sprache gew\u00e4hlt, aber ich verkaufe ja auch keine Bestseller. Offensichtlich geht es auch gar nicht um Sprache, sondern um Ereignisse wie am Flie\u00dfband, die das Buch spannend machen sollen, unterhalten sollen \u2013 ein Unterhaltungsroman, nichts weiter. Ob das alles Sinn macht und tats\u00e4chlich so vonstattengehen kann, hinterfragt der Bestseller-Leser nicht? Wie auch immer, ich bin kein Bestseller-Leser. Aber ich verstehe jetzt, warum Nele Neuhaus so erfolgreich ist.<\/p><p>Zur\u00fcck zum Buch. Ich finde es seltsam, dass Alex Sontheim, nachdem sie von Sergio Vitali vergewaltigt wird, nicht aus seinem Apartmenthaus auszieht, nach einer Zeit lang wieder mit ihm schl\u00e4ft und sogar meint, sich gegen\u00fcber einem Mafiaboss behaupten zu k\u00f6nnen. Als sie in die Schweiz flieht, nimmt sie in ihrem Hotelzimmer ein Schaumbad und trinkt Champagner, w\u00e4hrend zwei ihrer Helfer verschwunden sind, vielleicht ermordet im <em>Hudson River<\/em> rumschwimmen. Die Frau ist ja so cool. Zur\u00fcck in New York tr\u00e4gt sie sich unter dem gleichen Namen wie im Schweizer Hotel ein, aus dem sie Tage zuvor nach Deutschland fl\u00fcchten musste. Also wussten Vitalis M\u00e4nner unter welchem Namen sie dort gemeldet war. Wie d\u00e4mlich kann eine so clevere Gesch\u00e4ftsfrau sein? Hat die nie James Bond gesehen? Zuerst habe ich das gedacht, als ich las, wie sie in bester Agentenmanier \u00fcber L\u00fcftungssch\u00e4chte das B\u00fcrogeb\u00e4ude verlassen und auf einem Fahrrad Sergio Vitalis Armee von Berufskillern bis nach Chinatown entkommen konnte. Im Hotelzimmer wartet sie dann mit Champagner und Knabbereien auf den B\u00fcrgermeister, zu dem sie sich irgendwann hingezogen zu f\u00fchlen begann. Der wird logischerweise von Vitalis M\u00e4nnern verfolgt und \u00fcber Alex Sontheims eingetragenen gleichen Namen wie in Z\u00fcrich wissen sie, in welchem Zimmer beide sind. Die Turteltauben haben dann auch noch Sex, wie \u00fcberraschend, was schnulzenhaft auf ganze drei Seiten beschrieben wird. Da h\u00e4tte ich das Buch in die n\u00e4chste Ecke schmei\u00dfen k\u00f6nnen, wenn ich es nicht schon fast bis zu Ende gelesen h\u00e4tte. Aber ich muss schon sagen, Alex Sontheim ist eine starke Frau, wie sie mehr tot als lebendig, von Vitalis M\u00e4nnern zusammengeschlagen und mehrfach vergewaltigt, aus dem eiskalten <em>Hudson<\/em> <em>River<\/em> gefischt wird und den Killern im Krankenhaus dann wieder entkommt. Habe ich schon erw\u00e4hnt, dass sie Wochen zuvor dem B\u00fcrgermeister mit einem Hechtsprung sein Leben rettete, als dieser auf dem Friedhof seine tote Familie besuchte? Ja, ja, da hat Nele Neuhaus eine <em>Super Woman<\/em> im Kost\u00fcm einer Investmentbankerin geschaffen. Auf die Idee w\u00e4re ich nie gekommen.<\/p><p>Und dann, es war Anfang Mai 2015, zeigte das ZDF eine Verfilmung des Nele Neuhaus\u2019 Romans \u00bbWer Wind s\u00e4t\u00ab, eine Folge ihres Kripo-Duos Kirchhoff und von Bodenstein \u2013 ein sogenannter Taunus-Krimi. Ich konnte meine Augen nicht von der Mattscheibe lassen und war \u2013 eins, zwei, drei \u2013 ersch\u00fcttert. Sexueller und psychischer Missbrauch Schutzbefohlener, Mobbing wegen \u00dcbergewicht, offener Scheidungskrieg, heimliche Heirat, Verf\u00fchrung Minderj\u00e4hriger, Erpressung, heimliche Adoption, Gutachtenf\u00e4lschung, Patentklau, Mord und Todschlag, Tumulte bei Pressekonferenz, Geiselnahme mit SEK-Einsatz \u2013 und das alles in einem rasenden Tempo. Manchmal sollte man sich wohl eher nicht so genau an die Vorlage halten. Ich hatte zeitweise gro\u00dfe Probleme, mitzukommen und die Zusammenh\u00e4nge zu verstehen.<\/p><p>Auf den genauen Ablauf m\u00f6chte ich gar nicht eingehen, aber eine Szene fand ich wirklich sehr seltsam. Die Pressekonferenz im Wirtshaus. Geladen sind nat\u00fcrlich der Sprecher der B\u00fcrgerinitiative, die gegen die Errichtung eines Windparks ist, und der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des zuk\u00fcnftigen Anlagenbetreuers. Die beiden Kripo-Beamte sind auch anwesend. Es dauert nicht lange, als Jugendliche beginnen, mit Gem\u00fcse zu schmei\u00dfen. Mir v\u00f6llig unbegreiflich bricht eine Panik aus. Und es wird noch seltsamer. Die Jugendlichen sind die ersten, die rauslaufen und es fliegt nichts mehr durch die Gegend. Dennoch schreien die Anwesenden weiterhin wild durcheinander und laufen hektisch aus dem kleinen Versammlungsraum. Dabei f\u00e4llt die Kirchhoff noch hin und von Bodenstein ruft, man m\u00fcsse so schnell wie m\u00f6glich raus. \u00bbWovor laufen die denn weg?\u00ab, fragte ich mich. Die taten so, als ob jemand Tr\u00e4nengas freigesetzt h\u00e4tte. Vor allem sah es so aus, als w\u00fcrde die Gefahr von den beiden Herren der B\u00fcrgerinitiative und der Windkraftfirma ausgehen. Und \u00fcber den SEK-Einsatz auf der Wetterstation schreibe ich lieber nichts, au\u00dfer dass es dem ganzen Bl\u00f6dsinn noch die Krone aufsetzte.<\/p><p>Der Film lie\u00df mir keine Ruhe und am n\u00e4chsten Morgen suchte ich im Internet nach einer Rezension. Vielleicht hatte ja jemand das Bed\u00fcrfnis, seinen Eindruck \u00fcber die Verfilmung in die \u00d6ffentlichkeit zu tragen, und ich wurde f\u00fcndig. Im <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/medien\/das-zdf-verfilmt-wer-wind-saet-nach-dem-roman-von-nele-neuhaus-13572491.html\">Feuilleton<\/a> der <em>Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ)<\/em> fand ich einen Bericht, der mich sehr beruhigte, denn ich verstand, dass ich mit meiner Meinung zur Verfilmung sowie \u00fcber Nele Neuhaus\u2019 B\u00fccher nicht alleine bin. Gut, ich bin also nicht paranoid.<\/p>","_et_gb_content_width":"","_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[42],"tags":[49],"class_list":["post-813","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-texte","tag-texte"],"acf":[],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9Ec4h-d7","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/813","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=813"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/813\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4504,"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/813\/revisions\/4504"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=813"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=813"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=813"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}