{"id":682,"date":"2018-05-01T06:52:22","date_gmt":"2018-05-01T05:52:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/?p=682"},"modified":"2020-07-10T16:21:00","modified_gmt":"2020-07-10T14:21:00","slug":"opfer-wider-willen-natascha-kampusch-schreibt-ueber-ihr-leben-zehn-jahre-nach-ihrer-selbstbefreiung-ein-kommentar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/?p=682","title":{"rendered":"Opfer wider Willen \u2013 Natascha Kampusch schreibt \u00fcber ihr Leben zehn Jahre nach ihrer Selbstbefreiung \/ Ein Kommentar"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.22&#8243;][et_pb_row _builder_version=&#8220;3.25&#8243; background_size=&#8220;initial&#8220; background_position=&#8220;top_left&#8220; background_repeat=&#8220;repeat&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;3.25&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_text _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; link_text_align=&#8220;justify&#8220; link_text_color=&#8220;#515151&#8243; text_orientation=&#8220;justified&#8220;]<\/p>\n<p>\u203aDu bist ein Opfer, weil wir das so wollen!\u2039 \u2013 diesen Gedanken hatte ich ganz oft, als ich das zweite Buch von Natascha Kampusch \u00bb10 Jahre Freiheit\u00ab las. Genauso oft dachte ich: \u203aJa, stimmt.\u2039 oder \u203aDiesen Eindruck habe ich auch.\u2039 Aber letztlich f\u00fchrte dieses viele Kopfnicken und Seufzen zu jenem Gedanken, der mich stets beim Schreiben meiner Jugendb\u00fccher begleitet: \u203aDas ist alles kein Quatsch, das ist alles kein Hirngespinst, das ist alles das, was ganz genau so vor unseren Augen geschieht.\u2039<\/p>\n<p>Es wird aber so gerne weggesehen und viel lieber der Mund gehalten. Oder man will es eben nicht wahrhaben, selbst wenn die Beweise erdr\u00fcckend sind. Wenn dann noch ein Opfer aus eigener St\u00e4rke heraus sich von den Fesseln seiner Unterdr\u00fcckung befreit und ein neues, freies und selbstbestimmtes Leben beginnt, scheinen es viele Menschen nicht akzeptieren, nicht aushalten zu k\u00f6nnen. M\u00f6glicherweise liegt es daran, dass sie sich bei dem Gedanken an solch einem Schicksal ihrer eignen Schw\u00e4chen bewusst werden. Sie selbst h\u00e4tten die Jahre im Verlies vielleicht nicht \u00fcberlebt. H\u00e4tten sich nicht wie Natascha Kampusch im dem Ma\u00dfe entwickelt, dass sie die Zeit in Gefangenschaft ausgehalten und sich irgendwann die Fehler des T\u00e4ters zu Nutze gemacht h\u00e4tten. Gewartet h\u00e4tten, solange bis er da ist &#8211; der passende Augenblick, um in die Freiheit zu laufen. Natascha Kampusch hat das geschafft. Weil sie bereits als Kind eine starke Pers\u00f6nlichkeit entwickelt hatte und sich selber damals schon so gut kannte, dass sie all den Schrecken auszuhalten vermochte.<\/p>\n<p>Ich glaube einfach, die meisten Menschen k\u00f6nnen das nicht. Sie erkennen Natascha Kampusch als eine der Anderen und eben nicht als eine der Ihren. Deshalb muss die Au\u00dfenseiterin Kampusch denunziert und verleumdet werden. Sie muss selbst f\u00fcr ihre Entf\u00fchrung gesorgt haben, sie muss ein Kind bekommen und get\u00f6tet haben, und sie muss ihre Zeit beim T\u00e4ter Priklopil genossen haben, denn wie h\u00e4tte sie sonst so offensichtlich unbeschadet die Zeit bei ihm \u00fcberstehen k\u00f6nnen. Verweise auf Zeitungsartikel, auf Kommentare in den sozialen Netzwerken und auf Fernsehinterviews belegen, was die junge Frau in den letzten zehn Jahren alles auszuhalten hatte. Ich gebe Natascha Kampusch recht, wenn sie schreibt: \u00bb &#8230; weil ich einigen Menschen oder Teilen der Gesellschaft unbewusst einen Spiegel vorgehalten habe. Der Blick hinein hat Angst gemacht. Angst vor Abgr\u00fcnden, vor Verdr\u00e4ngung, aber auch vor dem Zulassen von St\u00e4rke und Schw\u00e4che.\u00ab Damit hat sie etliche Menschen provoziert und ist zudem eben nicht in die Opferrolle zur\u00fcckgefallen, in der sie einige gerne gesehen h\u00e4tten. Natascha Kampusch hat aber gerade wegen ihrer starken Pers\u00f6nlichkeit \u00fcberlebt. Man sollte sie bewundern und nicht verachten.<\/p>\n<p>Ich habe bereits viele B\u00fccher gelesen, in denen Opfer \u00fcber ihre Erlebnisse berichten. Und es sind genau diese Berichte, die das Unzumutbare aus dem Kellerloch ans Tageslicht bringen und uns ungesch\u00f6nt das vor Augen halten, was wir doch alle l\u00e4ngst wissen. Es muss ganz einfach die Angst vor der Wahrheit sein, wenn einige Menschen sich \u00fcber das Ver\u00f6ffentlichen dieser Grausamkeiten aufregen. Aber ich finde es richtig und auch wichtig, sich mit den Schattenseiten in der Gesellschaft auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14px;\"><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14px;\">Unverk\u00e4uflicher Text von Doreen Gehrke. Die Verwendung dieses Textes, ob nun auszugsweise oder in vollem Umfang, ist ohne schriftlicher Zustimmung von Doreen Gehrke urheberrechtswidrig. Auch eine \u00dcbersetzung des Textes sowie die Verwendung in elektronischen Systemen ist strafbar.<\/span><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/e6d69e4597a042889a1e6498c93f1a73\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"font-size: 14px;\" \/><\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_button button_text=&#8220;Zur\u00fcck&#8220; _builder_version=&#8220;4.5.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; button_url=&#8220;https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/?page_id=340&#8243; button_alignment=&#8220;left&#8220; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_color=&#8220;#000000&#8243; button_border_color=&#8220;#000000&#8243; box_shadow_style=&#8220;preset6&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_button][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.22&#8243;][et_pb_row _builder_version=&#8220;3.25&#8243; background_size=&#8220;initial&#8220; background_position=&#8220;top_left&#8220; background_repeat=&#8220;repeat&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;3.25&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_text _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; link_text_align=&#8220;justify&#8220; link_text_color=&#8220;#515151&#8243; text_orientation=&#8220;justified&#8220;] \u203aDu bist ein Opfer, weil wir das so wollen!\u2039 \u2013 diesen Gedanken hatte ich ganz oft, als ich das zweite Buch von Natascha Kampusch \u00bb10 Jahre Freiheit\u00ab las. Genauso oft dachte ich: \u203aJa, stimmt.\u2039 oder \u203aDiesen Eindruck habe ich auch.\u2039 [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"<p>\u203aDu bist ein Opfer, weil wir das so wollen!\u2039 \u2013 diesen Gedanken hatte ich ganz oft, als ich das zweite Buch von Natascha Kampusch \u00bb10 Jahre Freiheit\u00ab las. Genauso oft dachte ich: \u203aJa, stimmt.\u2039 oder \u203aDiesen Eindruck habe ich auch.\u2039 Aber letztlich f\u00fchrte dieses viele Kopfnicken und Seufzen zu jenem Gedanken, der mich stets beim Schreiben meiner Jugendb\u00fccher begleitet: \u203aDas ist alles kein Quatsch, das ist alles kein Hirngespinst, das ist alles das, was ganz genau so vor unseren Augen geschieht.\u2039<\/p><p>Es wird aber so gerne weggesehen und viel lieber der Mund gehalten. Oder man will es eben nicht wahrhaben, selbst wenn die Beweise erdr\u00fcckend sind. Wenn dann noch ein Opfer aus eigener St\u00e4rke heraus sich von den Fesseln seiner Unterdr\u00fcckung befreit und ein neues, freies und selbstbestimmtes Leben beginnt, scheinen es viele Menschen nicht akzeptieren, nicht aushalten zu k\u00f6nnen. M\u00f6glicherweise liegt es daran, dass sie sich bei dem Gedanken an solch einem Schicksal ihrer eignen Schw\u00e4chen bewusst werden. Sie selbst h\u00e4tten die Jahre im Verlies vielleicht nicht \u00fcberlebt. H\u00e4tten sich nicht wie Natascha Kampusch im dem Ma\u00dfe entwickelt, dass sie die Zeit in Gefangenschaft ausgehalten und sich irgendwann die Fehler des T\u00e4ters zu Nutze gemacht h\u00e4tten. Gewartet h\u00e4tten, solange bis er da ist - der passende Augenblick, um in die Freiheit zu laufen. Natascha Kampusch hat das geschafft. Weil sie bereits als Kind eine starke Pers\u00f6nlichkeit entwickelt hatte und sich selber damals schon so gut kannte, dass sie all den Schrecken auszuhalten vermochte.<\/p><p>Ich glaube einfach, die meisten Menschen k\u00f6nnen das nicht. Sie erkennen Natascha Kampusch als eine der Anderen und eben nicht als eine der Ihren. Deshalb muss die Au\u00dfenseiterin Kampusch denunziert und verleumdet werden. Sie muss selbst f\u00fcr ihre Entf\u00fchrung gesorgt haben, sie muss ein Kind bekommen und get\u00f6tet haben, und sie muss ihre Zeit beim T\u00e4ter Priklopil genossen haben, denn wie h\u00e4tte sie sonst so offensichtlich unbeschadet die Zeit bei ihm \u00fcberstehen k\u00f6nnen. Verweise auf Zeitungsartikel, auf Kommentare in den sozialen Netzwerken und auf Fernsehinterviews belegen, was die junge Frau in den letzten zehn Jahren alles auszuhalten hatte. Ich gebe Natascha Kampusch recht, wenn sie schreibt: \u00bb ... weil ich einigen Menschen oder Teilen der Gesellschaft unbewusst einen Spiegel vorgehalten habe. Der Blick hinein hat Angst gemacht. Angst vor Abgr\u00fcnden, vor Verdr\u00e4ngung, aber auch vor dem Zulassen von St\u00e4rke und Schw\u00e4che.\u00ab Damit hat sie etliche Menschen provoziert und ist zudem eben nicht in die Opferrolle zur\u00fcckgefallen, in der sie einige gerne gesehen h\u00e4tten. Natascha Kampusch hat aber gerade wegen ihrer starken Pers\u00f6nlichkeit \u00fcberlebt. Man sollte sie bewundern und nicht verachten.<\/p><p>Ich habe bereits viele B\u00fccher gelesen, in denen Opfer \u00fcber ihre Erlebnisse berichten. Und es sind genau diese Berichte, die das Unzumutbare aus dem Kellerloch ans Tageslicht bringen und uns ungesch\u00f6nt das vor Augen halten, was wir doch alle l\u00e4ngst wissen. Es muss ganz einfach die Angst vor der Wahrheit sein, wenn einige Menschen sich \u00fcber das Ver\u00f6ffentlichen dieser Grausamkeiten aufregen. Aber ich finde es richtig und auch wichtig, sich mit den Schattenseiten in der Gesellschaft auseinanderzusetzen.<\/p><p>Natascha Kampusch mit Heike Gronemeier \u201e10 Jahre Freiheit\u201c, List Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin, ISBN 978-3-471-35129-1<\/p><p>\u00a0<\/p><p>Unverk\u00e4uflicher Text von Doreen Gehrke. Die Verwendung dieses Textes, ob nun auszugsweise oder in vollem Umfang, ist ohne schriftlicher Zustimmung von Doreen Gehrke urheberrechtswidrig. Auch eine \u00dcbersetzung des Textes sowie die Verwendung in elektronischen Systemen ist strafbar.<\/p><p>\u00a0<\/p><p><img src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/e6d69e4597a042889a1e6498c93f1a73\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>","_et_gb_content_width":"","jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[42],"tags":[49],"class_list":["post-682","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-texte","tag-texte"],"acf":[],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9Ec4h-b0","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/682","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=682"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/682\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4508,"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/682\/revisions\/4508"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=682"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=682"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=682"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}