{"id":643,"date":"2018-04-18T10:49:08","date_gmt":"2018-04-18T09:49:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/?p=643"},"modified":"2020-07-10T16:24:00","modified_gmt":"2020-07-10T14:24:00","slug":"es-war-einmal-vor-langer-langer-zeit-da-gab-es-etwas-das-nannte-man-kundenfreundlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/?p=643","title":{"rendered":"Es war einmal vor langer, langer Zeit, da gab es etwas, das nannte man Kundenfreundlichkeit \/ Ein Kommentar"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.22&#8243;][et_pb_row _builder_version=&#8220;3.25&#8243; background_size=&#8220;initial&#8220; background_position=&#8220;top_left&#8220; background_repeat=&#8220;repeat&#8220; custom_padding=&#8220;0px|||||&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;3.25&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_text _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; link_text_color=&#8220;#515151&#8243; text_orientation=&#8220;justified&#8220; min_height=&#8220;3047px&#8220;]<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14px;\">Der Kunde ist K\u00f6nig. Von mir kann ich sagen, das habe ich fast nie erlebt. Selten sehe ich freundliche Z\u00fcge in den Gesichtern der Angestellten, die bei ihrer Arbeit direkt mit Kunden in Kontakt treten. Zuvorkommenheit ist offensichtlich etwas Fremdes, vielleicht sogar etwas Ekelerregendes, das von einem weggesto\u00dfen werden muss \u2013 es k\u00f6nne ja ansteckend sein. Man begegnet dem Kunden lieber mit Argwohn und Missgunst. H\u00e4ufig lese ich es in den Blicken der Verk\u00e4uferInnen, KellnerInnen usw., den sogenannten Service-Kr\u00e4ften: \u00bbAch, was wollen Sie denn hier? Muss das jetzt sein? H\u00e4tten Sie nicht wegbleiben k\u00f6nnen?\u00ab<\/span><\/p>\n<p>Dazu m\u00f6chte ich \u00fcber ein paar Momente aus meinem Leben berichten und beginne mit der Deutschen Post. Vielleicht kennt der eine oder andere das ja selbst. Geduldig steht man in der Schlange vorm Schalter. Das Paket, fest unterm Arm geklemmt, wird immer schwerer. Hinter mir steht einer der Ungeduldigen, der fortw\u00e4hrend schniefen und sich r\u00e4uspern muss, weil er scheinbar nur so mit der eint\u00f6nigen Warterei umgehen kann. Vor mir eine in die Breite verquollene Frau, die das letzte Mal bei ihrer Taufe mit Wasser in Ber\u00fchrung kam und sich zudem st\u00e4ndig umdrehen und wie ein Huhn Ausschau halten muss, was denn f\u00fcr Leute in der Schlange stehen. Unz\u00e4hlige Beispiele h\u00e4tte ich parat &#8230; Ich sollte mal ein Buch dar\u00fcber schreiben.<br \/> Und als ob diese Erfahrungen, diese sich ins Ged\u00e4chtnis einnistenden und manchmal als widerlich empfundenen Zusammentreffen mit Menschen, nicht schon genug w\u00e4ren, kommen die sich abermals immer wieder in Erinnerung rufenden Begegnungen mit denen, die hinterm Schalter stehen noch dazu. Hier hat die Freundlichkeit das Ausschlussverfahren nicht \u00fcberstanden \u2013 so viel steht fest. Ich stelle also mein Paket auf die Ablage und werde sofort ermahnt, ich h\u00e4tte es doch gleich auf die Waage stellen k\u00f6nnen. Das macht die Postangestellte dann selbst und zieht dabei ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter. Weil ich anschlie\u00dfend nicht schnell genug bezahle, erreichen ihre Mundwinkel beinahe den Fu\u00dfboden. Mir geht das nat\u00fcrlich auf die Nerven. Deshalb sage ich demonstrativ: \u00bbDann noch einen sch\u00f6nen Tag. Auf Wiedersehen.\u00ab, schaue der Frau dabei direkt in die Augen und l\u00e4chele zudem noch, und nicht mal gek\u00fcnstelt. Bei der Postangestellten ist das Ma\u00df voll und mir flattert ein abf\u00e4lliges Zischen entgegen.<br \/> Im Vergleich zu anderen Erlebnissen ist dieses Beispiel aber eher harmlos, da zwischen mir und der Postangestellten kaum ein Wort gewechselt wurde. Als Kunde begr\u00fc\u00dft zu werden, ist ja sowieso schon g\u00e4nzlich eine Seltenheit geworden, die einem Sechser im Lotto gleicht. \u00bbGuten Tag.\u00ab oder auch \u00bbHallo.\u00ab als anstandshalbe Begr\u00fc\u00dfungen sind anstandslos versenkt. Wie viel leichter w\u00fcrde es aber dem Dienstleister fallen, wenn man eine Begegnung mit einem Kunden mit einer netten Begr\u00fc\u00dfung beginnt? Dazu noch ein freundliches L\u00e4cheln und schon ist der ungeliebte \u00bbDienst\u00ab am Kunden nicht mehr so schlimm. Oder nicht? Was habe ich mir nicht schon alles anh\u00f6ren m\u00fcssen. \u00bbDas haben Sie falsch gemacht! &#8230; Liegt Schottland in Europa? &#8230; Na, was soll das denn jetzt? Entweder Sie verschicken es als P\u00e4ckchen oder Maxi-Brief. Das m\u00fcssen Sie doch selber wissen. &#8230; Ach, Sie haben heute aber viele B\u00fcchersendungen. Haben Sie etwa einen Gro\u00dfauftrag? &#8230; Moment, ich muss erst tippen.\u00ab &#8230; Ich sollte mal ein Buch dar\u00fcber schreiben.<\/p>\n<p>Ganz spannende Erfahrungen habe ich aber in Caf\u00e9s und Restaurants gemacht. Deshalb setze ich mich mittlerweile ganz ohne Erwartungen an einen Tisch und lasse mich einfach \u00fcberraschen. Zwei Beispiele, die ich hier erw\u00e4hnen m\u00f6chte, erlebte ich aber zusammen mit einer Freundin. Eine Freundin und ich gehen also bei sch\u00f6nem Wetter die Neue Strandstra\u00dfe in Zinnowitz entlang und entscheiden uns, bei einem Caf\u00e9 drau\u00dfen Platz zu nehmen. Gerade als wir uns setzen, bedient eine Kellnerin einen Gast am Tisch gegen\u00fcber. Wir sind uns sicher, wahrgenommen worden zu sein, zumal die Frau an uns vorbeigehen musste, als sie zur\u00fcck ins Caf\u00e9 ging. Manchmal ist es ja so, dass man von drinnen schlecht das Geschehen im Au\u00dfenbereich erkennen kann. Daher machen Kellner auch ab und zu eine Stippvisite, zumindest sollten sie es. Trotzdem. Wir warten und warten und es passiert nichts. Wir fragen uns, woran das liegen k\u00f6nnte und stellen folgende Thesen auf: Die Kellnerin bedient uns nicht, weil wir keine M\u00e4nner sind, oder weil sie uns einfach doof findet und der Chef nicht da ist. Der Mann am Tisch gegen\u00fcber grinst vor sich hin, weswegen wir uns f\u00fcr die erste Vermutung entscheiden. Wir beide haben einfach nicht die passenden Voraussetzungen, f\u00fcr vermeintlich sp\u00e4tere Unterhaltszahlungen sorgen zu k\u00f6nnen und verlassen das Caf\u00e9.<br \/> Mit einer anderen Freundin, in einem anderen Caf\u00e9 und in einem anderen Ort habe ich erlebt, wie man so schnell wie m\u00f6glich seine G\u00e4ste loswerden m\u00f6chte. Zumindest kam es uns so vor. Wir haben uns gerade hingesetzt, da werden wir schon gefragt, was man uns bringen kann. Zuvor begr\u00fc\u00dft wurden wir nicht, und Tee und Milchkaffee werden erst nach erneutem Nachfragen gebracht. Irgendwie seltsam, oder? Wir unterhalten uns und unterhalten uns, denn wir haben uns lange nicht gesehen und daher viel zu erz\u00e4hlen, wom\u00f6glich zu lange f\u00fcr die Bedienung. Man schleicht regelrecht um uns herum, schaut mehrmals zu unserem Tisch. Wir versuchen aber den Nachmittag zu genie\u00dfen und tun so, als w\u00fcrden wir diese Ungeduld, die \u00fcber unseren K\u00f6pfen schwebt, nicht bemerken und bestellen erneut. Dieses Mal geht es verdammt schnell und die Kellnerin beginnt zudem, die vertrockneten Bl\u00e4tter der Blumenarrangements auf den Tischen zu entfernen. Meine Freundin fragt die Frau, ob sie das Caf\u00e9 schon schlie\u00dfen w\u00fcrde. Die Kellnerin verneint, dreht sich weg und widmet sich weiter der Tisch-Dekoration zu \u2013 einer Arbeit, die man eigentlich nicht vor den Augen der G\u00e4sten macht. Dazu muss ich selber kein Gastronom sein, aber ich k\u00f6nnte ja mal ein Buch dar\u00fcber schreiben.<\/p>\n<p>Ein sehr dreistes Erlebnis, wie ich empfand, hatte ich in einem Gesch\u00e4ft meines Mobilfunk-Anbieters, bei dem ich ein neues Handy abholen wollte. Zuvor erhielt ich per SMS eine Nachricht, dass mein neues Handy schon auf mich warten w\u00fcrde. Im Laden aber versuchte eine Angestellte, ihr schauspielerisches Talent unter Beweis zu stellen. Sie versagte kl\u00e4glich, was mich, ich muss es leider zugeben, sehr gefiel und ich am\u00fcsierte mich pr\u00e4chtig. Mittlerweile begegne ich solchen Dreistigkeiten immer etwas zynisch, denn es macht auch Spa\u00df, Menschen zu durchschauen. Ich sage der Frau, dass ich mir aufgrund meiner Vertragsverl\u00e4ngerung ein neues Handy aussuchen darf. Zuerst wird mit meiner Telefonnummer und meinem Kennwort \u00fcberpr\u00fcft, ob das auch m\u00f6glich ist \u2013 alles noch okay. Dann fragt mich die Angestellte, ob ich bei mir zu Hause Zugang zum Internet habe. Mir huscht ein erstes L\u00e4cheln \u00fcbers Gesicht. Ich bejahe und erkl\u00e4re, nachdem ich gefragt wurde, wie viel ich denn bezahle, nicht viel zahlen zu m\u00fcssen und dass ich nur gekommen sei, um mein neues Handy abholen zu wollen. Offensichtlich interessiert es der Frau aber nicht, denn sie wendet sich von mir ab und beginnt zu rechnen. Ich muss grinsen, rolle mit den Augen und richte meinen Blick auf einen anderen Angestellten, der Sekunden zuvor mit einem Kunden im Schlepptau hilfesuchend zu einer Kollegin marschiert war, die dann seine Arbeit gemacht hat und den Kunden zufrieden stellen konnte.<br \/> Kennt ihr das auch? Dass ihr eigentlich mit jemandem im Gespr\u00e4ch seid, aber dennoch mitbekommt, was neben euch abl\u00e4uft? Funktioniert bei mir st\u00e4ndig. Da denke ich immer an Flederm\u00e4use, deren Fiepen von ihrer Umgebung reflektiert wird und die sich auf die Weise orientieren k\u00f6nnen. Als h\u00e4tte ich ein Radar im Kopf und nehme deshalb leider manchmal auch viel zu viel wahr.<br \/> So wie dieser Typ, der dann, nachdem der Kunde das Gesch\u00e4ft verlassen hat, weil er noch mit seiner Frau \u00fcber den neuen Tarif sprechen muss, auf einmal zu tanzen beginnt. Die Beschallung im Hintergrund k\u00f6nnte dazu ja auch einladen. Aber es liegt wohl eher an einer m\u00f6glichen Provision bei erfolgreichem Vertragsabschluss, den er nur durch die Hilfe seiner Kollegin erreicht haben w\u00fcrde und auch nur wenn die Frau des Kunden ihren Segen dazu g\u00e4be.<br \/> Ich muss mich zusammenrei\u00dfen und widme mich wieder der Angestellten zu, die sich um mich k\u00fcmmern soll. Die rechnet noch und ich denke mir, das, was du hier gerade erlebst, das schreibst du mal auf. Ich schaue mir die Handys, die im Angebot sind, etwas genauer an und \u00fcberlege schon, welches ich mir aussuchen werde. Als die Frau fertig ist, sagt sie mir nat\u00fcrlich einen Monatsbeitrag, der meinen jetzigen weit \u00fcbersteigt. Ich nicke, l\u00e4chele und sage freundlich aber bestimmt, ich h\u00e4tte bereits wiederholt erw\u00e4hnt, dass ich nur mein neues Handy abholen wolle. Von einem neuen Tarif sei nie die Rede gewesen. Da wird die Frau auf einmal ganz ungehalten und zischt, sie habe dann nur die beiden folgenden Modelle zur Auswahl. Sie zeigt auf die Handys, die in meine engere Wahl fielen. Ich muss mein Grinsen unterdr\u00fccken und erkl\u00e4re, mir w\u00fcrden die Modelle nicht gefallen und verlasse das Gesch\u00e4ft.<br \/> Befl\u00fcgelt von der Tatsache, dass ich mir keinen teuren Tarif habe aufschwatzen lassen und diese dreiste Angestellte sogar mit nichts habe stehen lassen, schlendere ich die Gesch\u00e4ftsstra\u00dfe entlang und sage mir, es gibt ja noch andere Gesch\u00e4fte.<\/p>\n<p>Den Super-Gau an Unversch\u00e4mtheit habe ich aber in der Regionalbibliothek Neubrandenburg erlebt, was mich damals dazu veranlasste, von da an nur noch digitale Medien \u00fcber die Onleihe MV zu lesen. Und das auch nur solange, bis mein Ausweis seine G\u00fcltigkeit verlor. Seitdem die Bibliothek wieder ihr Zuhause im sanierten <em>Haus der Kultur und Bildung (HKB)<\/em> am Marktplatz hat, k\u00f6nnen Kunden B\u00fccher am Selbstverbucher ausleihen und zur\u00fcckgeben. Das sind Automaten, an denen man mit g\u00fcltigem Benutzerausweis Print-Medien selbst verbuchen kann. Davon gibt es insgesamt drei, zwei im Erdgeschoss und einem im Untergeschoss. Beim Selbstverbucher im Untergeschoss k\u00f6nnen B\u00fccher nur entliehen und die Leihfrist verl\u00e4ngert werden. Jetzt w\u00fcrde sich jemand vom Bibliothekspersonal wahrscheinlich angepisst f\u00fchlen, wenn er oder sie das liest und sagen: \u00bbNa, es gibt ja noch den R\u00fcckgabe-Automaten an der R\u00fcckseite der Bibliothek. Dort k\u00f6nnen Sie die B\u00fccher rund um die Uhr zur\u00fcckgeben.\u00ab Ja, meiner Erinnerung zufolge kam es ja auch nicht so h\u00e4ufig vor, dass er ausgefallen war. Dass sich manchmal lange Schlangen an den Selbstverbucher bilden, muss ich nicht erst erkl\u00e4ren. Aus diesem Grund bin ich anfangs immer noch zum Service-Schalter gegangen und habe dort B\u00fccher ausgeliehen oder zur\u00fcckgegeben. Dann hie\u00df es auf einmal: \u00bbNa, beim n\u00e4chsten Mal gehen Sie aber auch zum Automaten.\u00ab<br \/> Mal ganz abgesehen davon, dass von all den Angestellten, mit denen ich dort mal zu tun hatte, mir gerade mal zwei Personen einfallen, die nett und freundlich waren, h\u00e4tte ich in diesem Moment am liebsten gesagt: \u00bbSie sollten froh sein, dass ich nicht Ihre Chefin bin. Sie w\u00fcrden hier nicht mehr arbeiten.\u00ab Das Erste, was man als Kunde sieht, wenn man \u00fcber den Haupteingang in die Bibliothek kommt, sind die muffelig dreinblickenden Gesichter der Angestellten am Service-Schalter. Da m\u00f6chte man doch gleich wieder gehen. Dazu das st\u00e4ndige Gequatsche der Frauen. Ihre Blicke sagen einem unverhohlen: \u00bbWage es ja nicht hierherzukommen! Wir sind besch\u00e4ftigt.\u00ab<br \/> Das Mal darauf, ich hatte wieder das Pech, nicht an eine der beiden Netten zu geraten, nimmt eine der Frauen (echt alles nur Frauen dort) meine B\u00fccher von der Ablage, steht auf und befiehlt: \u00bbWir gehen jetzt mal zum Automaten. Ich zeige Ihnen, wie das geht.\u00ab Nicht zu fassen, oder? Ich erwidere noch, ich habe immer gedacht, die Automaten seien ein zus\u00e4tzlicher Service, den man benutzen kann, wenn am Service-Schalter zu hoher Andrang w\u00e4re. Schnippisch entgegnete die Frau, dass das jetzt anders sei. Aha! Am Automaten dann der n\u00e4chste Seitenhieb. \u00dcber einen Touchscreen, der sich selbst erkl\u00e4rt, wird die Maschine bedient. Die Frau ist ganz \u00fcberrascht, dass ich die Anweisungen befolgen kann, und sie fragt mich, ob ich das schon mal gemacht habe. Ich antworte: \u00bbNein, ich kann aber lesen.\u00ab<br \/> Vielleicht hat die Frau geglaubt, ich sei zu dumm, den Selbstverbucher zu benutzen oder h\u00e4tte Angst vor ihm. Sicher ist aber, dass die Frauen am Service-Schalter ihre Ruhe haben wollen. Nichts f\u00fcr ungut, aber wenn die Arbeit der Verbuchung von Medien nur noch von Automaten gemacht werden soll, dann f\u00e4llt ein gro\u00dfer Anteil an Arbeit f\u00fcr die Angestellten weg. Es erfordert schon eine gro\u00dfe Anstrengung sich zusammenzurei\u00dfen, wenn man in der Schlange vorm Automaten steht und sieht, wie die Frauen am Schalter quatschen oder so tun, als h\u00e4tten sie viel zu tun, indem sie fieberhaft auf ihre Maus dr\u00fccken und auf dem Bildschirm starren. Spielen die vielleicht Solit\u00e4r?! Ich habe nicht erst eine Fortbildung zum <em>Xpert Business Master<\/em> machen m\u00fcssen, um zu wissen, dass zu viele Angestellte f\u00fcr ein Unternehmen unwirtschaftlich sind. Das bisschen Bibliotheksausweise ausstellen, Geb\u00fchren kassieren und Kunden bei ihrer Recherche helfen, schafft auch weniger Personal. Ich sollte mal ein Buch dar\u00fcber schreiben.<\/p>\n<p>Zuletzt noch ein Erlebnis, das ich in einem Fleischereigesch\u00e4ft hier auf Usedom erlebt habe. So oft gehe ich ja nicht an eine Fleischtheke und g\u00f6nne mir etwas Frisches. Aber einmal hatte ich so gro\u00dfe Lust auf Schaschlikspie\u00dfe und wollte mir zwei, drei einpacken lassen.\u00a0 Ich bin dann auch mit vollen H\u00e4nden nach Hause gefahren und habe sie mir schmecken lassen. Es war aber ein steiniger Weg bis in die K\u00fcche. Es lockten zwei Sorten Schaschlikspie\u00dfe in der Auslage. Auf einem Teller waren sie mariniert und auf dem anderen nicht. Ich wollte die marinierten haben und wand mich an die Verk\u00e4uferin. \u00bbGuten Tag\u00ab, sage ich. Kurzes Nicken, Augenbrauen in die H\u00f6he gezogen. \u00bbSagen Sie, bei den marinierten Schaschlikspie\u00dfen ist kein Preis zu finden. Wie viel kosten die denn?\u00ab Gelangweilt und muffig antwortet die junge Frau (die sogar sehr junge Frau): \u00bbDas ist genau das Gleiche.\u00ab Mein erster Gedanke: Hier gehst du nie wieder einkaufen! Mein zweiter Gedanke: Jetzt pass mal auf, du Schnepfe! \u00bbWas meinen Sie denn mit &#8218;genau das Gleiche&#8216;? Ein marinierter Schaschlik kann doch nicht genau das Gleiche sein wie ein unmarinierter\u00ab, lautet meine, wenn auch zynisch formuliert, aber logisch einwandfreie Antwort. Als wenn Blitze aus den Augen der Frau zu mir schie\u00dfen w\u00fcrden, so schaut sie mich an. \u00bbDas ist genau dasselbe Fleisch, meine ich!\u00ab Ein erster Wutausbruch der angepissten Verk\u00e4uferin, wor\u00fcber ich mich freue. Denn die Frau h\u00e4tte auch genauso gut mich erst einmal gr\u00fc\u00dfen k\u00f6nnen und mir dann sagen k\u00f6nnen, dass das Fleisch bei beiden Spie\u00dfen das gleiche ist. Bei marinierten Schaschlikspie\u00dfen sieht man das zudem recht schlecht. Ich wei\u00df jetzt aber immer noch nicht den Preis. \u00bbBei den marinierten Schaschlikspie\u00dfen steht kein Preis dran. Wie viel kosten die denn jetzt?\u00ab, frage ich und denke mir, die kosten bestimmt genau so viel wie die anderen. Jetzt regt sich die Frau aber so richtig auf, rollt mit den Augen und sagt: \u00bbJa. Das habe ich doch schon gesagt. Haben Sie das nicht verstanden, oder was?!\u00ab Ich beginne zu lachen und sage, dass ich gerne drei St\u00fcck von den marinierten Schaschlikspie\u00dfen h\u00e4tte. Beim Einpacken l\u00e4sst die Verk\u00e4uferin es dann so richtig raus. \u00bbIch muss mich hier nicht anpissen lassen.\u00ab Ich lache wieder und frage die Frau, ob sie mich meint. \u00bbJa, na klar. Sie sind ganz sch\u00f6n pampig. Ich kann aber auch anders. Passen Sie ja auf!\u00ab Aha. Das war das erste Mal, dass mir eine Verk\u00e4uferin k\u00f6rperliche Gewalt androhte. Nur gut, dass ich \u00fcber so ein Benehmen nur lachen kann. Und noch viel besser, dass auf dem Kassenbon der Name der Frau steht. Ich nehme meine Schaschlikspie\u00dfe und w\u00fcnsche der Frau noch einen sch\u00f6nen Tag. Sie zischt nur und geht in den Raum hinter der Theke. Ich denke nur, dort kann sie ja jetzt ihre Wut an Bergen von Fleisch auslassen.<\/p>\n<p>Kennt ihr das eigentlich auch, dass, wenn ihr an einer Kasse steht und eure Lebensmittel zur\u00fcck in den Korb legt, die KassiererInnen \u00fcber euch hinweg miteinander reden, so, als sei man gar nicht da? Passiert mir im Schnitt jedes zweite Mal.<\/p>\n<p>Woran liegt es also, dass einige Dienstleister so schlecht gelaunt, faul und unversch\u00e4mt sind? Weil sie es k\u00f6nnen! Kann das wirklich so sein? Ja, denn was w\u00fcrde denn schon gro\u00df passieren, wenn der Arbeitgeber seinen Angestellten aufgrund seines Benehmens gegen\u00fcber Kunden oder anderen Kollegen entl\u00e4sst? Heutzutage nichts Schlimmes mehr. Nichts, was einem die Karriere ruiniert, das Leben versaut oder sogar den Hungertod beschert. Deutschland ist ein Sozialstaat geworden und das im besten Sinne f\u00fcr die, die locker und leicht durchs Leben gehen wollen. Warum solle man es sich auch schwer machen und sich st\u00e4ndig dem beugen, das einem von Natur aus widerstrebt? Freundlich, h\u00f6flich und zuvorkommen zu sein \u2013 das ist man oder ist man nicht. Wenn man es denn nicht ist, kann man es lernen oder von vorneherein ablehnen. Ich bin einfach so wie ich bin. In Zeiten des Individualismus ist das keine Seltenheit. \u00bbNa, dann gehen Sie doch, wenn Sie ein Problem haben. Sie m\u00fcssen mich ja auch nicht nett finden. Dann finden Sie mich eben unversch\u00e4mt, ist mir doch egal.\u00ab Ein anderer Grund ist ein noch viel schlimmerer, wie ich finde. Kontakt mit dem Kunden bedeutet auch Macht zu haben. In dem Augenblick wenn der Kunde etwas vom Dienstleister verlangt, etwas kaufen oder auch nur wissen will, ist er der Willk\u00fcr des Gegen\u00fcbers ausgeliefert. Heutzutage ist das leider so, oder wie man so sch\u00f6n sagt: Am l\u00e4ngeren Hebel sitzen.<\/p>\n<p>Fairerweise sollte ich hier noch ganz klar sagen, dass es in den genannten Ortschaften und auch woanders in Mecklenburg-Vorpommern sehr nette Menschen im Dienstleistungsbereich gibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unverk\u00e4uflicher Text von Doreen Gehrke. Die Verwendung dieses Textes, ob nun auszugsweise oder in vollem Umfang, ist ohne schriftlicher Zustimmung von Doreen Gehrke urheberrechtswidrig. Auch eine \u00dcbersetzung des Textes sowie die Verwendung in elektronischen Systemen ist strafbar.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_button button_text=&#8220;Zur\u00fcck&#8220; _builder_version=&#8220;4.5.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; button_url=&#8220;https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/?page_id=340&#8243; button_alignment=&#8220;left&#8220; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_color=&#8220;#000000&#8243; button_border_color=&#8220;#000000&#8243; box_shadow_style=&#8220;preset6&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; custom_margin=&#8220;-39px|||||&#8220;][\/et_pb_button][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.22&#8243;][et_pb_row _builder_version=&#8220;3.25&#8243; background_size=&#8220;initial&#8220; background_position=&#8220;top_left&#8220; background_repeat=&#8220;repeat&#8220; custom_padding=&#8220;0px|||||&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;3.25&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_text _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; link_text_color=&#8220;#515151&#8243; text_orientation=&#8220;justified&#8220; min_height=&#8220;3047px&#8220;] Der Kunde ist K\u00f6nig. 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H\u00e4ufig lese ich es in den Blicken der Verk\u00e4uferInnen, KellnerInnen usw., den sogenannten Service-Kr\u00e4ften: \u00bbAch, was wollen Sie denn hier? Muss das jetzt sein? H\u00e4tten Sie nicht wegbleiben k\u00f6nnen?\u00ab<\/p><p>Dazu m\u00f6chte ich \u00fcber ein paar Momente aus meinem Leben berichten und beginne mit der Deutschen Post. Vielleicht kennt der eine oder andere das ja selbst. Geduldig steht man in der Schlange vorm Schalter, das Paket, fest unterm Arm geklemmt, wird immer schwerer. Hinter einem steht einer der Ungeduldigen, der fortw\u00e4hrend schniefen und sich r\u00e4uspern muss, weil er scheinbar nur so mit der eint\u00f6nigen Warterei umgehen kann. Vor einem in die Breite verquollen eine Frau, die das letzte Mal bei ihrer Taufe mit Wasser in Ber\u00fchrung kam und sich zudem st\u00e4ndig umdrehen und wie ein Huhn Ausschau halten muss, was denn f\u00fcr Leute in der Schlange stehen. Unz\u00e4hlige Beispiele h\u00e4tte ich parat ... Ich sollte mal ein Buch dar\u00fcber schreiben.<br \/> Und als ob diese Erfahrungen, diese sich ins Ged\u00e4chtnis einnistenden und manchmal als widerlich empfundenen Zusammentreffen mit Menschen, nicht schon genug w\u00e4ren, kommen die sich abermals immer wieder in Erinnerung rufenden Begegnungen mit denen, die hinterm Schalter stehen, noch dazu. Hier hat die Freundlichkeit das Ausschlussverfahren nicht \u00fcberstanden \u2013 so viel steht fest. Ich stelle also mein Paket auf die Ablage und werde sofort ermahnt, ich h\u00e4tte es doch gleich auf die Waage stellen k\u00f6nnen. Das macht die Postangestellte dann selbst und zieht dabei ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter. Weil ich anschlie\u00dfend nicht schnell genug bezahle, erreichen ihre Mundwinkel beinahe den Fu\u00dfboden. Mir geht das nat\u00fcrlich auf die Nerven. Deshalb sage ich demonstrativ: \u00bbDann noch einen sch\u00f6nen Tag. Auf Wiedersehen.\u00ab, schaue der Frau dabei direkt in die Augen und l\u00e4chele zudem noch, und nicht mal gek\u00fcnstelt. Bei meinem Gegen\u00fcber ist das Ma\u00df voll und mir flattert ein abf\u00e4lliges Zischen entgegen.<br \/> Im Vergleich zu anderen Erlebnissen ist dieses Beispiel aber eher harmlos, da zwischen mir und der Postangestellten kaum ein Wort gewechselt wurde. Als Kunde begr\u00fc\u00dft zu werden, ist ja sowieso schon g\u00e4nzlich eine Seltenheit geworden, die einem Sechser im Lotto gleicht. \u00bbGuten Tag.\u00ab oder auch \u00bbHallo.\u00ab als anstandshafte Floskeln sind anstandslos versenkt. Wie leichter w\u00fcrde es aber dem Dienstleister fallen, wenn man eine Begegnung mit einem Kunden mit einer netten Begr\u00fc\u00dfung beginnt? Dazu noch ein freundliches L\u00e4cheln und schon f\u00e4llt einem der ungeliebte \u00bbDienst\u00ab am Kunden leichter. Oder nicht? Was habe ich mir nicht schon alles anh\u00f6ren m\u00fcssen. \u00bbDas haben Sie falsch gemacht! ... Liegt Schottland in Europa? ... Na, was soll das denn jetzt? Entweder Sie verschicken es als P\u00e4ckchen oder Maxi-Brief. Das m\u00fcssen Sie doch selber wissen. ... Ach, Sie haben heute aber viele B\u00fcchersendungen. Haben Sie etwa einen Gro\u00dfauftrag? ... Moment, ich muss erst tippen.\u00ab ... Ich sollte mal ein Buch dar\u00fcber schreiben.<\/p><p>Ganz spannende Erfahrungen habe ich aber in Caf\u00e9s und Restaurants gemacht. Deshalb setze ich mich mittlerweile ganz ohne Erwartungen an einen Tisch und lasse mich einfach \u00fcberraschen. Zwei Beispiele, die ich hier erw\u00e4hnen m\u00f6chte, erlebte ich aber zusammen mit einer Freundin. \u00dcber Erlebnisse, die ich alleine machte, werde ich in einem anderen Blog-Beitrag schreiben. Eine Freundin und ich gehen also die Neue Strandstra\u00dfe in Zinnowitz entlang und bei sch\u00f6nem Wetter entscheiden wir uns, bei einem Caf\u00e9 drau\u00dfen Platz zu nehmen. Gerade als wir uns setzen, bedient eine Kellnerin einen Gast am Tisch gegen\u00fcber. Wir sind uns sicher, wahrgenommen zu werden, zumal die Frau an uns vorbeigehen muss, als sie zur\u00fcck ins Caf\u00e9 geht. Manchmal ist es ja so, dass man von drinnen schlecht das Geschehen im Au\u00dfenbereich erkennen kann. Daher machen Kellner auch ab und zu eine Stippvisite, zumindest sollten sie es. Trotzdem \u2013 wir warten und warten und es passiert nichts. Wir fragen uns, woran das liegen k\u00f6nne und stellen folgende Thesen auf: die Kellnerin bedient uns nicht, weil wir keine M\u00e4nner sind, oder weil sie uns einfach doof findet und der Chef nicht da ist. Der Mann am Tisch gegen\u00fcber grinst vor sich hin, weswegen wir uns f\u00fcr die erste Vermutung entscheiden. Wir beide haben einfach nicht die passenden Voraussetzungen, f\u00fcr vermeintlich sp\u00e4tere Unterhaltszahlungen sorgen zu k\u00f6nnen und verlassen das Caf\u00e9.<br \/> Mit einer anderen Freundin, in einem anderen Caf\u00e9 und in einem anderen Ort habe ich erlebt, wie man so schnell wie m\u00f6glich seine G\u00e4ste loswerden m\u00f6chte. Zumindest kam es uns so vor. Wir haben uns gerade hingesetzt, da werden wir schon gefragt, was man uns bringen kann. Zuvor begr\u00fc\u00dft wurden wir nicht und Tee und Milchkaffee werden erst nach erneutem Nachfragen gebracht. Irgendwie seltsam, oder? Wir unterhalten uns und unterhalten uns, denn wir haben uns lange nicht gesehen und daher viel zu erz\u00e4hlen, wom\u00f6glich zu lange f\u00fcr die Bedienung. Man schleicht regelrecht um uns herum, schaut mehrmals zu unserem Tisch. Wir versuchen aber den Nachmittag zu genie\u00dfen und tun so, als w\u00fcrden wir diese Ungeduld, die \u00fcber unseren K\u00f6pfen schwebt, nicht bemerken und bestellen erneut. Dieses Mal geht es verdammt schnell und die Kellnerin beginnt zudem, die vertrockneten Bl\u00e4tter der Mini-Gestecke auf den Tischen zu entfernen. Meine Freundin fragt die Frau, ob sie das Caf\u00e9 schon schlie\u00dfen w\u00fcrde. Die Kellnerin verneint, dreht sich weg, ohne sich weiter zu erkl\u00e4ren und widmet sich weiter der Tisch-Dekoration zu \u2013 einer Arbeit, die man eigentlich nicht vor den Augen der G\u00e4sten macht. Dazu muss ich selber kein Gastronom sein, aber ich k\u00f6nnte ja mal ein Buch dar\u00fcber schreiben.<\/p><p>Ein sehr dreistes Erlebnis, wie ich empfand, hatte ich erst vor ein paar Tagen, als ich in einem Gesch\u00e4ft meines Mobilfunk-Anbieters ein neues Handy abholen m\u00f6chte. Zuvor erhielt ich per SMS eine Nachricht, dass mein neues Handy schon auf mich warten w\u00fcrde. Im Laden aber versuchte eine Angestellte, ihr schauspielerisches Talent unter Beweis zu stellen. Sie versagte kl\u00e4glich, was mich, ich muss es leider zugeben, sehr gefiel und ich am\u00fcsierte mich pr\u00e4chtig. Mittlerweile begegne ich solchen Dreistigkeiten immer etwas zynisch, denn es macht auch Spa\u00df, Menschen zu durchschauen. Ich sage der Frau, dass ich aufgrund meiner Vertragsverl\u00e4ngerung ein neues Handy haben m\u00f6chte. Zuerst wird mit meiner Telefonnummer und meinem Kennwort \u00fcberpr\u00fcft, ob das auch m\u00f6glich ist \u2013 alles noch okay. Dann fragt mich die Frau, ob ich bei mir zu Hause Zugang zum Internet habe. Mir huscht ein erstes L\u00e4cheln \u00fcbers Gesicht. Ich bejahe und erkl\u00e4re, nachdem ich gefragt wurde, wie viel ich denn bezahle, nicht viel zahlen zu m\u00fcssen und dass ich nur gekommen sei, um mein neues Handy abholen zu wollen. Offensichtlich interessiert es der Angestellten nicht, denn sie wendet sich von mir ab und beginnt zu rechnen. Ich muss grinsen, rolle mit den Augen und richte meinen Blick auf einen anderen Angestellten, der Sekunden zuvor mit einem Kunden im Schlepptau hilfesuchend zu einer Kollegin marschiert ist, die dann seine Arbeit macht und den Kunden zufrieden stellen kann.<br \/> Kennt ihr das auch? Dass ihr eigentlich mit jemandem im Gespr\u00e4ch seid, aber dennoch mitbekommt, was neben euch abl\u00e4uft? Funktioniert bei mir st\u00e4ndig. Da denke ich immer an Flederm\u00e4use, deren Fiepen von ihrer Umgebung reflektiert wird und sich die Tiere so orientieren k\u00f6nnen. Als h\u00e4tte ich ein Radar im Kopf und nehme deshalb leider manchmal auch viel zu viel wahr.<br \/> So wie dieser Typ, der dann, nachdem der Kunde das Gesch\u00e4ft verlassen hat, weil er noch mit seiner Frau \u00fcber den neuen Tarif sprechen muss (auch so ein Thema \u00fcber das ich mich in einem anderen Blog-Beitrag auslassen werde), auf einmal zu tanzen beginnt. Die Beschallung im Hintergrund l\u00e4dt ja auch so sehr dazu ein. Es liegt wohl eher an einer m\u00f6glichen Provision bei erfolgreichem Vertragsabschluss, den er nur durch die Hilfe seiner Kollegin erreicht hat und auch nur wenn die Frau des Kunden ihren Segen dazu gibt.<br \/> Ich muss mich zusammenrei\u00dfen und widme mich wieder der Angestellten zu, die sich um mich k\u00fcmmern soll. Die rechnet noch und ich denke mir, das, was du hier gerade erlebst, das schreibst du mal auf. Ich schaue mir die Handys, die im Angebot sind, etwas genauer an und \u00fcberlege schon, welches ich mir aussuchen werde. Als die Frau fertig ist, sagt sie mir nat\u00fcrlich einen Monatsbeitrag, der meinen jetzigen weit \u00fcbersteigt. Ich nicke, l\u00e4chele und sage freundlich aber bestimmt, ich h\u00e4tte bereits wiederholt erw\u00e4hnt, ich wolle keinen neuen Tarif, sondern nur ein neues Handy. Da wird die Frau auf einmal ganz ungehalten und zischt, sie habe dann nur die beiden folgenden Modelle zur Auswahl. Sie zeigt auf die Handys, die in meine engere Wahl fielen. Ich muss mein Grinsen unterdr\u00fccken und erkl\u00e4re, mir w\u00fcrden die Modelle nicht gefallen und verlasse das Gesch\u00e4ft.<br \/> Befl\u00fcgelt von der Tatsache, dass ich mir keinen teuren Tarif habe aufschwatzen lassen und diese dreiste Angestellte sogar mit nichts habe stehen lassen, schlendere ich die Gesch\u00e4ftsstra\u00dfe entlang und sage mir, es gibt ja noch andere Gesch\u00e4fte.<\/p><p>Den Super-Gau an Unversch\u00e4mtheit habe ich aber in den letzten Wochen in der Regionalbibliothek Neubrandenburg erlebt, was mich dazu veranlasste, nur noch digitale Medien \u00fcber die Onleihe MV zu lesen. Seitdem die Bibliothek wieder in das sanierte Haus der Kultur und Bildung (HKB) am Marktplatz gezogen ist, k\u00f6nnen Kunden B\u00fccher am Selbstverbucher ausleihen und zur\u00fcckgeben. Das sind Automaten, an denen man mit g\u00fcltigem Benutzerausweis Print-Medien selbst verbuchen kann. Davon gibt es insgesamt drei, zwei im Erdgeschoss und einem im Untergeschoss. Beim Selbstverbucher im Untergeschoss k\u00f6nnen B\u00fccher nur entliehen und die Leihfrist verl\u00e4ngert werden. Jetzt w\u00fcrde sich jemand vom Bibliothekspersonal wahrscheinlich angepisst f\u00fchlen, wenn er oder sie das liest und sagen: \u00bbNa, es gibt ja noch den R\u00fcckgabe-Automaten an der R\u00fcckseite der Bibliothek. Dort k\u00f6nnen Sie die B\u00fccher rund um die Uhr zur\u00fcckgeben.\u00ab Ja, bisher kam es ja auch noch nicht so h\u00e4ufig vor, dass er ausgefallen ist. Dass sich manchmal lange Schlangen an den Selbstverbucher bilden, muss ich nicht erst erkl\u00e4ren. Aus diesem Grund bin ich anfangs immer noch zum Service-Schalter gegangen und habe dort B\u00fccher ausgeliehen oder zur\u00fcckgegeben. Vor ein paar Wochen hie\u00df es dann: \u00bbNa, beim n\u00e4chsten Mal gehen Sie aber auch zum Automaten.\u00ab<br \/> Mal ganz abgesehen davon, dass von all den Angestellten, mit denen ich dort mal zu tun hatte, mir gerade mal zwei Personen einfallen, die nett und freundlich sind, h\u00e4tte ich in diesem Moment am liebsten gesagt: \u00bbSie sollten froh sein, dass ich nicht Ihre Chefin bin. Sie w\u00fcrden hier nicht mehr arbeiten.\u00ab Das Erste, was man als Kunde sieht, wenn man \u00fcber den Haupteingang in die Bibliothek kommt, sind die muffelig dreinblickenden Gesichter der Angestellten am Service-Schalter. Da m\u00f6chte man doch gleich wieder gehen. Dazu das st\u00e4ndige Gequatsche der Frauen. Ihre Blicke sagen einem unverhohlen: \u00bbWage es ja nicht hierherzukommen! Wir sind besch\u00e4ftigt.\u00ab<br \/> Das Mal darauf, ich hatte wieder das Pech, nicht an eine der beiden Netten zu geraten, nimmt die Angestellte meine B\u00fccher von der Ablage, steht auf und befiehlt: \u00bbWir gehen jetzt mal zum Automaten. Ich zeige Ihnen, wie das geht.\u00ab Nicht zu fassen, oder? Ich erwidere noch, ich habe immer gedacht, die Automaten seien ein zus\u00e4tzlicher Service, den man benutzen kann, wenn am Service-Schalter zu hoher Andrang w\u00e4re. Schnippisch entgegnete die Frau, dass das jetzt anders ist. Aha! Am Automaten dann der n\u00e4chste Seitenhieb. \u00dcber einen Touchscreen, der sich selbst erkl\u00e4rt, wird die Maschine bedient. Die Frau ist ganz \u00fcberrascht, dass ich die Anweisungen befolgen kann, und sie fragt mich, ob ich das schon mal gemacht habe. Ich antworte: \u00bbNein, ich kann aber lesen.\u00ab<br \/> Vielleicht hat die Frau geglaubt, ich sei zu dumm, den Selbstverbucher zu benutzen oder h\u00e4tte Angst vor ihm. Sicher ist aber, dass die Frauen am Service-Schalter ihre Ruhe haben wollen. Nichts f\u00fcr ungut, aber wenn die Arbeit der Verbuchung von Medien nur noch von Automaten gemacht werden soll, dann f\u00e4llt ein gro\u00dfer Anteil an Arbeit f\u00fcr die Angestellten weg. Es erfordert schon eine gro\u00dfe Anstrengung sich zusammenzurei\u00dfen, wenn man in der Schlange steht und sieht, wie die Frauen am Schalter quatschen oder so tun, als h\u00e4tten sie viel zu tun, indem sie fieberhaft auf ihre Maus dr\u00fccken und auf dem Bildschirm starren. Spielen die vielleicht Solit\u00e4r?! Ich habe nicht erst eine Fortbildung zum Xpert Business Master machen m\u00fcssen, um zu wissen, dass zu viele Angestellte f\u00fcr ein Unternehmen unwirtschaftlich sind. Das bisschen Bibliotheksausweise ausstellen, Geb\u00fchren kassieren und Kunden bei ihrer Recherche helfen, schafft auch weniger Personal. Ich sollte mal ein Buch dar\u00fcber schreiben.<\/p><p>Woran liegt es also, dass einige Dienstleister so schlecht gelaunt, faul und unversch\u00e4mt sind? Weil sie es k\u00f6nnen! Kann das wirklich so sein? Ja, denn was w\u00fcrde denn schon gro\u00df passieren, wenn der Arbeitgeber seinen Angestellten aufgrund seines Benehmens gegen\u00fcber Kunden oder anderen Kollegen entl\u00e4sst? Heutzutage nichts Schlimmes mehr, nichts, was einem die Karriere ruiniert, das Leben versaut oder sogar den Hungertod beschert. Deutschland ist ein Sozialstaat geworden und das im besten Sinne f\u00fcr die, die locker und leicht durchs Leben gehen wollen. Warum solle man es sich auch schwer machen und sich st\u00e4ndig dem beugen, das einem von Natur aus widerstrebt? Freundlich, h\u00f6flich und zuvorkommen zu sein \u2013 das hat man oder hat man nicht. Wenn man es denn nicht hat, kann man es lernen oder von vorneherein ablehnen. Ich bin einfach so wie ich bin. In Zeiten der Authentizit\u00e4t ist das keine Seltenheit. \u00bbNa, dann gehen Sie doch, wenn Sie ein Problem haben. Sie m\u00fcssen mich ja auch nicht nett finden. Dann finden Sie mich eben unversch\u00e4mt, ist mir doch egal.\u00ab Ein anderer Grund ist ein noch viel schlimmerer, wie ich finde. Kontakt mit dem Kunden bedeutet auch Macht zu haben. In dem Augenblick wenn der Kunde etwas vom Dienstleister verlangt, etwas kaufen oder auch nur wissen will, ist er der Willk\u00fcr des Gegen\u00fcbers ausgeliefert. Heutzutage ist das leider so, oder wie man so sch\u00f6n sagt \u2013 am l\u00e4ngeren Hebel sitzen.<\/p><p>Fairerweise sollte ich hier noch ganz klar sagen, dass es in Neubrandenburg und auch woanders in Mecklenburg-Vorpommern (oder von mir aus auch auf der ganzen Welt) sehr nette Menschen im Dienstleistungsbereich gibt. Nach meiner Auffassung sind es aber zu wenige, und die Wenigen werden immer weniger. Hier kann nicht gelten \u2013 weniger ist mehr!<\/p><p>\u00a0<\/p><p>Unverk\u00e4uflicher Text von Doreen Gehrke. Die Verwendung dieses Textes, ob nun auszugsweise oder in vollem Umfang, ist ohne schriftlicher Zustimmung von Doreen Gehrke urheberrechtswidrig. Auch eine \u00dcbersetzung des Textes sowie die Verwendung in elektronischen Systemen ist strafbar.<\/p><p><img src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/09e0500fb2b845118d7ddf14e68aa110\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>","_et_gb_content_width":"","jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[42],"tags":[49],"class_list":["post-643","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-texte","tag-texte"],"acf":[],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9Ec4h-an","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/643","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=643"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/643\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4510,"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/643\/revisions\/4510"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=643"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=643"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=643"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}