{"id":509,"date":"2018-03-08T12:39:46","date_gmt":"2018-03-08T11:39:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/?p=509"},"modified":"2020-07-10T16:34:08","modified_gmt":"2020-07-10T14:34:08","slug":"wenn-hart-erkaempfte-selbstverstaendlichkeiten-zerbrechen-emanzipation-hat-heute-viele-gesichter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/?p=509","title":{"rendered":"Wenn hart erk\u00e4mpfte Selbstverst\u00e4ndlichkeiten zerbrechen \u2013 Emanzipation hat heute viele Gesichter \/ Ein Kommentar"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.22&#8243;][et_pb_row _builder_version=&#8220;3.25&#8243; background_size=&#8220;initial&#8220; background_position=&#8220;top_left&#8220; background_repeat=&#8220;repeat&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;3.25&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_text _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; link_text_color=&#8220;#515151&#8243; text_orientation=&#8220;justified&#8220;]<\/p>\n<p>Im Jahr 1910 war es soweit. Abgesandte der internationalen sozialistischen Frauenbewegung beschlossen in Kopenhagen die Einf\u00fchrung dieses Ehren- und Gedenktages, der dieses Jahr nun zum 108. Mal und seit 1922 zum 95. Mal am 8. M\u00e4rz an die Verdienste der zahllosen Frauen erinnert, die f\u00fcr Freiheit und Gleichberechtigung gek\u00e4mpft haben und auch gestorben sind. An der Spitze der Fraueninternationale keine andere als die deutsche Sozialistin Clara Zetkin. Worum ging es den Frauen? Vor allem um das Erreichen des Frauenwahlrechts und das Enden des Ersten Weltkrieges. Sie engagierten sich f\u00fcr gesellschaftliche Gleichstellung, k\u00e4mpften gegen Gewalt an Frauen und gegen den ber\u00fcchtigten \u00a7 218 des Strafgesetzbuches (Abtreibungsverbot). Frauen sozialisierten sich global, traten f\u00fcr und miteinander auf.<\/p>\n<p>Und heute? F\u00fcr Deutschland sehe ich immer noch das Problem der Gewalt an Frauen, und meine, sie nimmt wieder zu. Vereinzelt gibt es Demonstrationen. Die Nachrichten berichten davon am Rande. Wie ernst nimmt man diesen Tag noch? Aus Erinnerungen wie es zu DDR-Zeiten war und wie es hier in den Neuen Bundesl\u00e4ndern noch gehandhabt wird, ist es ein gro\u00dfes Bes\u00e4ufnis. Anfang des 20. Jahrhunderts sind Arbeiterfrauen aus Fabriken gelaufen, haben Schilder und Plakate in die H\u00e4nde genommen, verlangten h\u00f6here L\u00f6hne und bessere Behandlung, sind marschiert und verhaftet worden. Das wei\u00df heute kaum noch jemand. Nein, viele Frauen lassen sich immer noch gerne Honig ums Maul schmieren. Freuen sich riesig, wenn der Chef eine kleine Flasche Sekt, vielleicht auch Pralinen, auf den Schreibtisch stellt. Dabei sollte er Frauen den gleichen Lohn bezahlen wie den M\u00e4nnern. Vor 28 Jahren war es ja noch viel schlimmer &#8211; Frauenkollektive von der Stasi gelenkt. So nach dem Motto: H\u00e4ngt den Weibern ein paar Medaillen um den Hals, dr\u00fcckt ihnen einen Zettel in die Hand, auf dem Auszeichnung steht,\u00a0 und schenkt ihnen einen Strau\u00df frischer Fr\u00fchlingsbl\u00fcher, dann f\u00fchlen sie sich wichtig und gebraucht. Wer aufmuckt, wird weggesperrt. Gott sei Dank habe ich das nicht mehr miterlebt.<\/p>\n<p>Die Frauenbewegung hat sich ver\u00e4ndert. Heute ist Frau kaum noch gegen etwas, heute ist Frau f\u00fcr etwas \u2013 die \u201ePille danach\u201c, die Frauenquote. In den Tagen einer Clara Zetkin w\u00e4re ich ganz sicher mit dabei gewesen, aber heute sind mir Feministinnen irgendwie peinlich. \u00a0Die \u201ePille danach\u201c \u2013 ja, das macht es f\u00fcr die Frau ja so viel einfacher. Nein, ich denke nicht f\u00fcr alle, nicht f\u00fcr die vergewaltigte Frau. Hatte eine Frau sich vorher beim Arzt noch erkl\u00e4ren m\u00fcssen, warum sie die \u201ePille danach\u201c ben\u00f6tigt und dann erz\u00e4hlt, dass sie vergewaltigt wurde und Angst vor einer Schwangerschaft hat, muss sie das jetzt nicht mehr. Viele Opfer sch\u00e4men sich und wollen nur vergessen. Weniger Vergewaltigungen werden angezeigt und weniger T\u00e4ter werden verhaftet werden. Ja, ja, das muss Freiheit sein. Und die Frauenquote? Ein Schlag ins Gesicht f\u00fcr all die Frauen, die es ohne Quote geschafft haben. \u201eFrau Gehrke, Sie wurden nur eingestellt, weil Sie eine Frau sind.\u201c \u201eFrau Gehrke, sind Sie eine Quotenfrau oder k\u00f6nnen Sie auch etwas?\u201c \u00c4hnliche S\u00e4tze wie diese werden Berufspolitikerinnen, wie die f\u00fcr diesen Schlamassel verantwortliche ehemalige Bundesministerin f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend Manuela Schwesig, niemals h\u00f6ren. W\u00fcrden Sie in der Wirtschaft t\u00e4tig sein, h\u00e4tten sie es besser gewusst. Auch hier hat Frau nicht weit genug gedacht. Dieses Gesetz vereinfacht den Karriereaufstieg einer emanzipierten Frau nicht, er behindert ihn.<\/p>\n<p>Aber was ist eigentlich Emanzipation? Ein selbstbestimmtes Leben &#8211; Freiheit &#8211; habe ich immer gedacht. Nur leider werden Frauen immer noch in Rollen gesteckt und m\u00fcssen sich rechtfertigen, warum sie so sind, wie sie sind und warum sie das machen, was sie machen. Und sind es dabei wirklich nur die M\u00e4nner, die es Frauen schwer machen, ein solch gew\u00fcnschtes selbstbestimmtes Leben zu leben? Nein, zumeist sind es sogar Frauen \u2013 die bereits angesprochenen Feministinnen, die es anderen Frauen nachtragen, ein in ihren Augen nicht emanzipiertes Frauenbild zu verk\u00f6rpern und\/ oder ihnen vorwerfen, die Frauenbewegung sogar zu behindern. Frauen, die im Showbusiness mit wenig Stoff um den H\u00fcften Erfolg haben, Frauen, die ihre Erf\u00fcllung zu Hause bei ihrer Familie finden, Frauen, die unbeirrt ihrer Karriere nachgehen, ohne sich zu beschweren, wie schwierig es manchmal sein kann, sich unter M\u00e4nnern zu behaupten. Vielleicht sollte Frau mal am Internationalen Frauentag gegen die aufgestellten Rollenbilder der Feministinnen und f\u00fcr ein selbstbestimmtes Leben demonstrieren. Ein selbstbestimmtes Leben \u2013 auch Prostituierte und Nonnen k\u00f6nnen emanzipierte Frauen sein!<\/p>\n<p>Wie war das eigentlich damals mit der Frauenbewegung? Zu Beginn des 20. Jahrhunderts traten Frauen in den Hungerstreik, schlugen Schaufenster ein und ver\u00fcbten sogar Bombenanschl\u00e4ge auf \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude. Ihr Ziel \u2013 das Wahlrecht f\u00fcr Frauen. Haupts\u00e4chlich, weshalb sie als die sogenannten <em>Suffragetten<\/em> (englisch\/franz\u00f6sisch: suffrage \u2013 Wahlrecht) bekannt waren. Aber es ging ihnen auch darum, generell gleichberechtigt leben zu k\u00f6nnen. Nicht einmal in der \u00d6ffentlichkeit zu rauchen, war Frauen damals erlaubt. Geschweige denn, ohne Erlaubnis des Ehemannes arbeiten gehen zu k\u00f6nnen. Heute eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Aber ich habe den Eindruck, dass diese hart erk\u00e4mpften Selbstverst\u00e4ndlichkeiten nicht mehr wertgesch\u00e4tzt werden. Ja sogar von einigen Frauen \u00fcberhaupt nicht f\u00fcr notwendig erachtet werden. Sinngem\u00e4\u00df h\u00f6re ich heute oft: \u201eIch bin emanzipiert, denn ich habe die Wahl.\u201c Aha, die Wahl also. Im Jahr 2016 erschien im <em>Spiegel<\/em>\u00a0ein <a href=\"https:\/\/magazin.spiegel.de\/SP\/2016\/11\/143591175\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel<\/a> in dem Frauen, die eine sehr gute Ausbildung gemacht haben, sich entschieden haben, zu Hause zu bleiben. Dabei geben sie an, sich gerade deswegen emanzipiert zu f\u00fchlen, da sie sich daf\u00fcr entscheiden konnten. Okay, sie werden von ihren M\u00e4nnern nicht gezwungen, den Haushalt zu schmei\u00dfen. Sind diese Frauen aber wirklich gegen\u00fcber ihren M\u00e4nnern gleichberechtigt? Gleichberechtigung hei\u00dft doch Emanzipation, oder nicht? Ja, das hei\u00dft es. Aber vor allem bedeutet Emanzipation Unabh\u00e4ngigkeit. Eine Frau, die sich f\u00fcr Haus und Familie entscheidet, aber gegen ihren Beruf und gegen das Geldverdienen ist nicht unabh\u00e4ngig. Akademikerinnen ohne Puffer. Das sind Frauen wie die in dem Artikel, die mehr oder weniger direkt nach ihrem Studium zu Hause bleiben. Sie haben noch kein Geld verdient oder sich in ihrer Arbeit in der Hinsicht bewiesen, dass sie, nach einer m\u00f6glichen Schwangerschaft, einen einfachen Wiedereinstieg ins Berufsleben erfahren k\u00f6nnten, da sie als gute Arbeitskraft gebraucht werden. Nein, Frauen, die noch irgendwie gar nichts geleistet haben (au\u00dfer Kinder kriegen), stehen buchst\u00e4blich mit leeren H\u00e4nden da und sind auf ihre M\u00e4nner angewiesen. Genau davon wollte die Frauenbewegung doch weg. Was haben Frauen k\u00e4mpfen m\u00fcssen, damit heute eine Ingenieurin auch eine Ingenieurin sein kann?! Und wie gerne w\u00fcrden Frauen in anderen L\u00e4ndern eine solch gute Ausbildung machen wollen?! Dass sich gerade junge Akademikerinnen in die Abh\u00e4ngigkeit eines Ern\u00e4hrers st\u00fcrzen, ist mir schleierhaft und ich finde es auch ehrlich gesagt peinlich. Nach dem Studium wollte ich erst mal Geld verdienen (selbst wenn es nicht viel war) und habe nebenbei noch Abendschule und Fernstudium durchgezogen. Ist wirklich nicht verkehrt, sich weiterzubilden, denn es k\u00f6nnte ja sein, dass man nach dem studierten Beruf etwas ganz anderes macht!<\/p>\n<p>Heute kommt mir die Frauenbewegung irgendwie so weinerlich vor. Besonders bei dem, was derzeit in den USA, genauer gesagt in Hollywood abgeht. Ich bin froh, dass diese <em>MeToo<\/em>&#8211; und <em>Time`s Up<\/em>-Welle nicht so sehr nach Deutschland \u00fcbergeschwappt sind. Entweder gibt es hier mehr Frauen, die bei diesem \u201eM\u00e4nnerspiel\u201c nicht mitgemacht haben, oder sexuelle \u00dcbergriffe in der Filmindustrie kommen in Deutschland einfach seltener vor als in den USA. Wenn es aber in den USA so normal war\/ist wie Z\u00e4hneputzen, dann m\u00fcssen wir uns auch fragen, warum Frauen das so lange akzeptiert haben? Alles f\u00fcr die Karriere? Und was sagt diese widerliche Akzeptanz \u00fcber diese Frauen aus? Ich kann da einfach nicht so viel Mitgef\u00fchl empfinden wie einige dieser Frauen es scheinbar erwarten \u2013 so mein Eindruck. Denn ich muss da an die zahllosen Frauen denken, die ihre Stimmen niemals in der Lautst\u00e4rke erheben k\u00f6nnen, wie es die bekannten Gesichter aus Film und Fernsehen viel fr\u00fcher h\u00e4tten machen k\u00f6nnen, aber es erst jetzt tun. Jetzt?! Ja, nach so vielen Jahren des Mitspielens. Arbeiten seit Jahren zusammen mit M\u00e4nnern, denen sexueller Missbrauch nachgewiesen werden konnte; lassen sich mit ihnen fotografieren, umarmend und l\u00e4chelnd, und wollen jetzt die gr\u00f6\u00dften Frauenrechtlerinnen der Welt sein?! Wie glaubw\u00fcrdig sind solche Frauen?<\/p>\n<p>Ich habe mir am Sonntag\/Montag die 90. Oscar-Verleihung angeschaut. Als Jane Fonda und Helen Mirren auf die B\u00fchne traten, habe ich den Fernseher ausgeschalten. Allein dass sie Hand in Hand zu zweit auftraten, war mir schon zu viel. Ich wusste nicht, was sie sagen werden, aber ich bildete mir ein, es zu wissen und habe es dann Stunden sp\u00e4ter in den Nachrichten best\u00e4tigt bekommen. Gerade zwei Frauen, die so viele Jahre erfolgreich in der Filmbranche t\u00e4tig sind, h\u00e4tten doch nun wirklich fr\u00fcher etwas sagen und machen k\u00f6nnen, als sich jetzt wie \u2026 wie was eigentlich? \u2026 zwei Ph\u00f6nixe aus der Asche zu pr\u00e4sentieren? Schaut her, wir haben es all die Jahre gewusst, mit ertragen und es \u00fcberlebt? Die ganze Show \u2026 das war alles ein bisschen viel Feminismus f\u00fcr meinen Geschmack. Und ganz ehrlich \u2026 wenn ich ein Mann w\u00e4re, dann w\u00e4re ich auch nicht zur Preisverleihung gegangen. Es sei denn, ich w\u00e4re nominiert gewesen. Ist euch auch aufgefallen, wie wenig bekannte m\u00e4nnliche Gesichter unter den G\u00e4sten waren? Sicher sind auch Frauen auf den Zug der <em>MeToo<\/em>&#8211; und <em>Time`s Up<\/em>-Bewegung aufgesprungen, die M\u00e4nner zu Unrecht beschuldigt haben. Mit Gleichberechtigung hat das nichts zu tun und ist zudem ein weiterer Schlag ins Gesicht der Frauen, die tats\u00e4chlich Opfer sind.<\/p>\n<p>Emanzipation hat ganz offenbar viele Gesichter bekommen. Darunter kann aber nur ein wahres Gesicht sein, n\u00e4mlich das der Freiheit. Frauen und M\u00e4dchen, die in Iran ihre Kopft\u00fccher abnehmen und zur Fahne schwingen, wollen frei sein. Sie wissen es einfach besser als wir, denn f\u00fcr sie ist das Gleichsein noch nicht selbstverst\u00e4ndlich. Seht in deren Gesichtern und ihr seht die Emanzipation.<\/p>\n<p>Hier noch eine Empfehlung von mir: \u201eDanke, emanzipiert sind wir selber! Abschied vom Diktat der Rollenbilder\u201c, ein Buch von der ehemaligen Bundesministerin f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend Kristina Schr\u00f6der in Zusammenarbeit mit Caroline Waldeck (2012).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unverk\u00e4uflicher Text von Doreen Gehrke. Die Verwendung dieses Textes, ob nun auszugsweise oder in vollem Umfang, ist ohne schriftlicher Zustimmung von Doreen Gehrke urheberrechtswidrig. Auch eine \u00dcbersetzung des Textes sowie die Verwendung in elektronischen Systemen ist strafbar.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/7cba3b82186947e0bea579b52d7f02a5\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"font-size: 14px;\" \/><\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_button button_text=&#8220;Zur\u00fcck&#8220; _builder_version=&#8220;4.5.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; button_url=&#8220;https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/?page_id=340&#8243; button_alignment=&#8220;left&#8220; custom_button=&#8220;on&#8220; button_text_color=&#8220;#000000&#8243; button_border_color=&#8220;#000000&#8243; box_shadow_style=&#8220;preset6&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_button][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.22&#8243;][et_pb_row _builder_version=&#8220;3.25&#8243; background_size=&#8220;initial&#8220; background_position=&#8220;top_left&#8220; background_repeat=&#8220;repeat&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;3.25&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_text _builder_version=&#8220;3.27.4&#8243; link_text_color=&#8220;#515151&#8243; text_orientation=&#8220;justified&#8220;] Im Jahr 1910 war es soweit. 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Nein, viele Frauen lassen sich immer noch gerne Honig ums Maul schmieren. Freuen sich riesig, wenn der Chef eine kleine Flasche Sekt, vielleicht auch Pralinen, auf den Schreibtisch stellt. Dabei sollte er Frauen den gleichen Lohn bezahlen wie den M\u00e4nnern. Vor 28 Jahren war es ja noch viel schlimmer - Frauenkollektive von der Stasi gelenkt. So nach dem Motto: H\u00e4ngt den Weibern ein paar Medaillen um den Hals, dr\u00fcckt ihnen einen Zettel in die Hand, auf dem Auszeichnung steht,\u00a0 und schenkt ihnen einen Strau\u00df frischer Fr\u00fchlingsbl\u00fcher, dann f\u00fchlen sie sich wichtig und gebraucht. Wer aufmuckt, wird weggesperrt. Gott sei Dank habe ich das nicht mehr miterlebt.<\/p><p>Die Frauenbewegung hat sich ver\u00e4ndert. Heute ist Frau kaum noch gegen etwas, heute ist Frau f\u00fcr etwas \u2013 die \u201ePille danach\u201c, die Frauenquote. 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Dass sich gerade junge Akademikerinnen in die Abh\u00e4ngigkeit eines Ern\u00e4hrers st\u00fcrzen, ist mir schleierhaft und ich finde es auch ehrlich gesagt peinlich. Nach dem Studium wollte ich erst mal Geld verdienen (selbst wenn es nicht viel war) und habe nebenbei noch Abendschule und Fernstudium durchgezogen. Ist wirklich nicht verkehrt, sich weiterzubilden, denn es k\u00f6nnte ja sein, dass man nach dem studierten Beruf etwas ganz anderes macht!<\/p><p>Heute kommt mir die Frauenbewegung irgendwie so weinerlich vor. Besonders bei dem, was derzeit in den USA, genauer gesagt in Hollywood abgeht. Ich bin froh, dass diese <em>MeToo<\/em>- und <em>Time`s Up<\/em>-Welle nicht so sehr nach Deutschland \u00fcbergeschwappt sind. Entweder gibt es hier mehr Frauen, die bei diesem \u201eM\u00e4nnerspiel\u201c nicht mitgemacht haben, oder sexuelle \u00dcbergriffe in der Filmindustrie kommen in Deutschland einfach seltener vor als in den USA. Wenn es aber in den USA so normal war\/ist wie Z\u00e4hneputzen, dann m\u00fcssen wir uns auch fragen, warum Frauen das so lange akzeptiert haben? Alles f\u00fcr die Karriere? Und was sagt diese widerliche Akzeptanz \u00fcber diese Frauen aus? Ich kann da einfach nicht so viel Mitgef\u00fchl empfinden wie einige dieser Frauen es scheinbar erwarten \u2013 so mein Eindruck. Denn ich muss da an die zahllosen Frauen denken, die ihre Stimmen niemals in der Lautst\u00e4rke erheben k\u00f6nnen, wie es die bekannten Gesichter aus Film und Fernsehen viel fr\u00fcher h\u00e4tten machen k\u00f6nnen, aber es erst jetzt tun. Jetzt?! Ja, nach so vielen Jahren des Mitspielens. Arbeiten seit Jahren zusammen mit M\u00e4nnern, denen sexueller Missbrauch nachgewiesen werden konnte; lassen sich mit ihnen fotografieren, umarmend und l\u00e4chelnd, und wollen jetzt die gr\u00f6\u00dften Frauenrechtlerinnen der Welt sein?! Wie glaubw\u00fcrdig sind solche Frauen?<\/p><p>Ich habe mir am Sonntag\/Montag die 90. Oscar-Verleihung angeschaut. Als Jane Fonda und Helen Mirren auf die B\u00fchne traten, habe ich den Fernseher ausgeschalten. Allein dass sie Hand in Hand zu zweit auftraten, war mir schon zu viel. Ich wusste nicht, was sie sagen werden, aber ich bildete mir ein, es zu wissen und habe es dann Stunden sp\u00e4ter in den Nachrichten best\u00e4tigt bekommen. Gerade zwei Frauen, die so viele Jahre erfolgreich in der Filmbranche t\u00e4tig sind, h\u00e4tten doch nun wirklich fr\u00fcher etwas sagen und machen k\u00f6nnen, als sich jetzt wie \u2026 wie was eigentlich? \u2026 zwei Ph\u00f6nixe aus der Asche zu pr\u00e4sentieren? Schaut her, wir haben es all die Jahre gewusst, mit ertragen und es \u00fcberlebt? Die ganze Show \u2026 das war alles ein bisschen viel Feminismus f\u00fcr meinen Geschmack. Und ganz ehrlich \u2026 wenn ich ein Mann w\u00e4re, dann w\u00e4re ich auch nicht zur Preisverleihung gegangen. Es sei denn, ich w\u00e4re nominiert gewesen. Ist euch auch aufgefallen, wie wenig bekannte m\u00e4nnliche Gesichter unter den G\u00e4sten waren? Sicher sind auch Frauen auf den Zug der <em>MeToo<\/em>- und <em>Time`s Up<\/em>-Bewegung aufgesprungen, die M\u00e4nner zu Unrecht beschuldigt haben. Mit Gleichberechtigung hat das nichts zu tun und ist zudem ein weiterer Schlag ins Gesicht der Frauen, die tats\u00e4chlich Opfer sind.<\/p><p>Emanzipation hat ganz offenbar viele Gesichter bekommen. Darunter kann aber nur ein wahres Gesicht sein, n\u00e4mlich das der Freiheit. Frauen und M\u00e4dchen, die in Iran ihre Kopft\u00fccher abnehmen und zur Fahne schwingen, wollen frei sein. Sie wissen es einfach besser als wir, denn f\u00fcr sie ist das Gleichsein noch nicht selbstverst\u00e4ndlich. Seht in deren Gesichtern und ihr seht die Emanzipation.<\/p><p>Doreen.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>Hier noch eine Empfehlung von mir: \u201eDanke, emanzipiert sind wir selber! Abschied vom Diktat der Rollenbilder\u201c, ein Buch von der ehemaligen Bundesministerin f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend Kristina Schr\u00f6der in Zusammenarbeit mit Caroline Waldeck (2012).<\/p>","_et_gb_content_width":"","_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[42],"tags":[49],"class_list":["post-509","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-texte","tag-texte"],"acf":[],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9Ec4h-8d","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/509","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=509"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/509\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4515,"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/509\/revisions\/4515"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=509"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=509"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.doreen-gehrke-verlag.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=509"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}