»Cyrus Price war ein Opfer – und jeder andere in seinem Leben auch«, so der Richter bei der Urteilsverkündung im Prozess um Cecelia Price, die wegen Drogendealens für neun Monate Haft in der Justizvollzugsanstalt für Jugendliche in Piedmont Abteilung für Verhaltenstherapie verurteilt wird. Eine Mitschuld an den Drogentod ihres Bruders ist nicht bewiesen. Ihr Geständnis wird vom Richter nicht anerkannt, er sieht eher darin den verzweifelten Versuch eines psychisch labilen Mädchens, die Alleinschuld dieser Tragödie auf sich zu nehmen, um Angehörige, Freunde und Bekannte zu entlasten. Kelly Fiores Jugendroman »Der tiefe Fall der Cecelia Price« hat nicht meine Erwartungen aus der Leseprobe erfüllen können. Die gewählte Erzählform aus Blick der Protagonistin Cecelia Price mit gut dosierten Rückblicken bis zum Tod des Bruders hat mich nicht gestört. Die Aufteilung der Geschichte in den Aufenthalt in der Justizvollzugsanstalt für Jugendliche in Piedmont mit anschließendem Gerichtsprozess und in Cecelias Vergangenheit mit früher Kindheit bis zum letzten Schuljahr und dem Versuch, auf ein College gehen zu können, war von der Autorin eine gute Idee, die auch gut umgesetzt worden ist. Schlecht fand ich die dann und wann auftretenden psychologischen Erklärungen, ja, psychoanalytischen Versuche der Autorin, die eher in ein Sachbuch, als in ein Jugendbuch gehören. Zudem aus der Perspektive eines Ich-Erzählers, d. h. von einer Schülerin erzählt. Das war mir etwas zu viel, bei sicher gut gemeinter Intention von Kelly Fiore. Weiter fielen mir einige Stellen im Text auf, die in mir Unverständnis aufkommen ließen und vielleicht sogar als Fehler in der logischen Abfolge dieser Geschichte zu sehen sind. Warum wurde Cecelias College-Wunsch nicht in der Therapie, Monate vor Prozessbeginn, herangezogen und diskutiert? Das wäre eine Möglichkeit gewesen, Cecelia zu stärken und zu motivieren, vor Gericht zu kämpfen. Warum wurde im Prozess nicht klargestellt, dass Jason die Kernspinaufnahme seiner Cousine gefälscht hatte? Nur mit der gefälschten Aufnahme hat Cecelia die Schmerzmittel vom Arzt bekommen. Warum wurde nicht darauf eingegangen, warum Cecelia überhaupt Drogen verkauft hatte? Laborgebühren für den Chemieunterricht der High-School, Collegekurse etc.. Warum wurde der Vater erst gar nicht in den Zeugenstand gerufen? Er hätte aussagen müssen, dass er immer wieder seinen Sohn Cyrus finanziell unterstützte und von seiner Drogensucht wusste. Das hätte Cecelia sehr entlastet. Möglicherweise wäre sie mit einer Bewährungsstrafe und ambulanter Therapie gut davongekommen. Beim Lesen der letzten Kapitel hatte ich immer wieder den Eindruck, dass das Ende schnell fertig geschrieben werden sollte. Mir fehlt hier die intensive Recherche, die für einen soliden Prozessverlauf nötig gewesen wäre. Von der Autorin wurden von 2013 bis 2015 drei Bücher veröffentlicht. Offensichtlich hat sie sich nicht genügend Zeit gelassen. Schade!

 

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