Er ist zäh, er ist verlässlich,
Für ihn habe ich einen Sarg gekauft.

Ich habe meinen Besitz verschenkt,
meine Freunde und Familie verlassen.

Es hieß, er bräuchte nur wenige Monate.
Wenige Monate sind doch nicht mal ein halbes Jahr!?
Aber er ist langsam, er lässt sich Zeit.

Es kommen Besucher ohne Ende,
Mir wird das langsam peinlich.
Sie verabschieden sich von mir.
Ich schenke ihnen tröstende Worte.

Sie haben Erwartungen: Wann ist es denn soweit?
Ich runzel mit der Stirn: Woher soll ich das denn wissen?
Ich habe ja keine Erfahrung mit dem Sterben.
Mein Arzt hat die – der meinte: Wenige Monate – Bereiten Sie sich vor.
Aber wie bereitet man sich vor? Auf den Tod.

Der Stein ist ausgesucht, der Grabredner bestimmt
Und die Todesanzeige vorgeschrieben.
Es ist alles geregelt, ich habe nichts mehr,
Außer die Kleider an meinem Leib.

Die Zeit aber schreitet voran, der Tod hat Besseres zu tun.
Dann heißt es auf einmal: Hoppla. Fehlalarm. Das kann ja mal passieren.
Dazu ein so dreistes, so kaltes, so widerliches Grinsen im Gesicht.

Nun, was lernt man aus dieser Geschicht‘?
Sei nie so naiv, nur einem Arzt zu glauben.
Das erleichtert das Leben – und das Sterben.

 

Unverkäufliches Gedicht von Doreen Gehrke. Die Verwendung dieses Gedichts, ob nun auszugsweise oder in vollem Umfang, ist ohne schriftlicher Zustimmung von Doreen Gehrke urheberrechtswidrig. Auch eine Übersetzung des Gedichts sowie die Verwendung in elektronischen Systemen ist strafbar.